Kahlschlag für das Klopapier

Wie sieht es angesichts der fort schreitenden Globalisierung und den damit verbundenen Zwängen mit der Umwelt in FIN aus? Stichwörter: AKW`s, Holzwirtschaft, Papier- u. Zellulose Herstellung, zunehmende Industriealisierung...

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Hans
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Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Hans » 31. Aug 2005 16:43

Kahlschlag für das Klopapier
Finnland holzt für den deutschen Papiermarkt die letzten Urwälder in Lappland ab

STOCKHOLM taz Seit wenigen Tagen fällen finnische Forstbeamte in einem 90.000 Hektar großen Waldgebiet östlich von Inari wieder die Bäume. Die Kahlschlagaktion ist umstritten. Sie war schon im Frühjahr gestartet, dann aber wieder gestoppt worden. Einheimische Rentierzüchter, die Sami, hatten gegen das Abholzen protestiert. Denn mit den Bäumen verschwinden die Flechten, die eine wichtige Nahrung der Rentiere sind.

"Jetzt werden die letzten Reste unserer Lebensgrundlagen zerstört", klagt der Sprecher der Rentierzüchter, Kalevi Paadar. Auch Umweltschützer sind verärgert: "Weder die staatliche Forstbehörde noch die Holz- und Papierindustrie sind zu einem Dialog bereit", sagt Sini Harkki, Forstexpertin des finnischen Naturschutzbundes. Sie fordern, dass die in Lappland noch verblieben Waldgebiete dauerhaft unter Schutz gestellt werden.

In Finnland gebe es genügend geschützte Waldgebiete, meinte indes der finnische Forstminister Juha Korkeaoja. Die finnische Regierung will den Eindruck vermeiden, sie würde sich Umweltschützern beugen. Also wies sie die Forstbehörden an, mit dem Holzeinschlag fortzufahren. Die Firma Stora Enso will das geschlagene Holz kaufen.

Dabei hatte das Unternehmen im Frühjahr noch selbst darauf gedrängt, das Abholzen einzustellen. Es hatte offenbar Angst vor internationalen Protesten - und einem schlechten Ruf. Stora Enso hat bereits leidvolle Erfahrungen mit Kaufboykotten gemacht. Die größten Kunden sind deutsche Verlage. Mittlerweile scheut sich der Branchenriese aber nicht mehr, aus den Urwäldern Zeitungs- und Klopapier für den deutschen Markt zu produzieren. REINHARD WOLFF

taz Nr. 7756 vom 31.8.2005, Seite 9, 56 Zeilen (TAZ-Bericht), REINHARD WOLFF
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Sapmi » 31. Aug 2005 16:59

Ja, superätzend. Hab heute gerade den Newsletter von TRN (Taiga Rescue Network) hierzu erhalten, mit einer Kopie des Briefes vom Samirat (Utsjoki/Ohcejohka) an Stora Enso. Hab's aber bisher erst mal schnell ausgedruckt und muss es mir erst noch durchlesen, ist so'n langer Brief.

Bei der Gelegenheit, wen's interessiert: http://www.taigarescue.org
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Loja » 31. Aug 2005 17:14

;(

Hab ich das jetzt richtig verstanden oder ist mein Hirn noch flugumnebelt?

Die finnischen Wälder werden abgeholzt, damit man in Deutschland daraus Klopapier machen kann?

Wenn ich mich nicht irre, hatten die Finnen im Frühjahr selbst Toilettenpapier-Notstand.
Vielleicht weil sie ihr Toilettenpapier den Deutschen zum Hinternabwischen geschickt haben? :(

Nicht nur die Samen verlieren ihre Lebensgrundlage, sondern auch viele Tiere z.B. die Eichhörnchen, die zum Auspolstern ihrer Nester diese Flechten brauchen, weil sonst die Jungen in feuchten Nestern liegen müssen und an Unterkühlung sterben.

Einen Protestbrief an Stora Enso unterschreibe ich sofort. Leider kann man wohl nicht herausfinden, welche deutschen Verlage oder Toilettenpapier-Hersteller das Stora Enso Produkt kaufen, sonst würde ich die gleich mitboykottieren. [img]mad.gif[/img]
[img]http://www.cosgan.de/images/smilie/figuren/c035.gif[/img] <span style="font-size:10pt;">Runoilija 2006 ja Pikilintu 2007</span>[img]http://smiliestation.de/smileys/Gemischt/260.gif[/img]

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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Klaus » 31. Aug 2005 17:47

Als wenn die deutschen keinen eigenen Wald haben! Warum müssen die Sápmis ihrer Lebensgrundlage beraubt werden, damit irgendwelche riesigen Länder in Mitteleuropa Klopapier daraus machen können. So weit ich mich entsinnen kann, gibt es in Deutschland einige Mittelgebirge, die nach meinen Kenntnissen auch mit Wald bewachsen sind. Und was ich auch glaube, ist, dass die Sápmis von den Finnen einfach übergangen worden sind. Die Finnen haben die Chance auf ein großes Geschäft gehabt, da sind solche "unwichtigen" Argumente eines Minterheitenvolkes dann auch egal. Die Sápmis haben in Finnland zwar ein Gegenstimmrecht, dies kann aber von den Finnen überstimmt werden, also nach dem Motto, was die obersten sagen, gilt. Das samische Parlament hat da kaum mehr Chancen als zu protestieren um anschießend wieder den Kürzeren zu ziehen.

Für die Sápmis wäre es sicher besser, wenn sie Lappi in einen autonomen Teil umwandeln, so wie Åland. Dort könnten sie dann ihre Sprache wieder hochbringen und vor allem selbst entscheiden, was sie machen und wo sie wieviel abholzen! Das nicht nur in Finnland, sondern auch in Lappland in Schweden und der Finnmark in Norwegen.

Wer einen Protestbrief schreibt, ich unterschreibe ihn sofort!
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Die Politiker von heute machen Politik nur für einen Tag. Und der Tag war gestern. (Dieter Hildebrandt)

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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Hans » 31. Aug 2005 18:09

Ich habe dazu mal eine Unterschriftensammlung gesehen, aber das ist schon einige Monate her, und ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wer die veranstaltet hat ... vielleicht fällts mir ja noch ein.
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Hans » 31. Aug 2005 18:12

Nunja, von Greenpeace war's damals nicht - das ist ein Name, den sogar ich mir merken kann - aber da gibts zumindest was:

http://act.greenpeace.org/ams/e?a=1700&s=FRS

Hoffe der Link funktioniert, sonst kommt man hierüber ganz flott dahin:

http://weblog.greenpeace.org/forestrescue/

Dann über "Take action!" weiter ...
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Kaisa » 31. Aug 2005 18:17

Das ist echt traurig, dass Stora Enso die Wälder zerstört, nur wegen Klopapier. Ich frage mich wirklich, warum die Regierung da nicht eingreift! Aber andererseits sind ja auch diejenigen, die solches Klopapier kaufen, Mitschuld! Gegen Recyclingpapier ist ja nun wirklich nichts einzuwenden, nur sehen das viele eben anders. Und Greenpeace hat mit den Kampagnen gegen den Kahlschlag in Nordfinnland auch nicht so viel Erfolg gehabt. Greenpeace hat glaub ich auch irgendwo mal aufgelistet, welche Verlage das Papier kaufen. Weiß aber nicht mehr wo. Muss mal auf greenpeace.de nachgucken!
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Naali » 31. Aug 2005 20:17

Ich weiß nur, dass die Firma Herlitz ein großer Abnehmer ist.

Hmm..die schwedisch-finnische Firma Stora Enso ist das zweitgrößte Forstindustrieunternehmen der Welt und es ist leider gar nicht so einfach gegen so einen Riesen vorzugehen. Aber es wundert mich, warum die Staaten so wenig gegen ihn und andere ausrichten können.
Mit über 5.000 Zeitschriften und Magazinen und einem Anteil von 41 Prozent der Zellstoffexporte und 20 Prozent der Papierexporte ist Deutschland der weltweit wichtigste Abnehmer von Stora Enso, UPM Kymmene und M-Real. Das Papier findet als Zeitschrift, Broschüre, Briefumschlag, Klopapier oder Verpackungsmaterial seinen Weg in fast alle deutschen Haushalte.
Zuletzt geändert von Naali am 31. Aug 2005 20:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Svea » 31. Aug 2005 21:04

Klaus schrieb am 31.08.2005 17:47
Als wenn die deutschen keinen eigenen Wald haben! Warum müssen die Sápmis ihrer Lebensgrundlage beraubt werden, damit irgendwelche riesigen Länder in Mitteleuropa Klopapier daraus machen können. So weit ich mich entsinnen kann, gibt es in Deutschland einige Mittelgebirge, die nach meinen Kenntnissen auch mit Wald bewachsen sind.
Ich kenne mich mit dem Thema zwar nicht besonders gut aus und möchte auch nicht die Abholzung in Lappland für gut heißen, aber wo die großen Wälder in Deutschland bitte sind, mit denen wir unseren Papierverbrauch sättigen könnten, würde ich schon mal gerne wissen...!?

Mit unseren Ressourcen könnten wir jedenfalls unseren Papierverbrauch leider nicht stillen.
Zuletzt geändert von Svea am 31. Aug 2005 21:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Naali » 1. Sep 2005 08:28

Solange es Abnehmer für die Produkte aus den Urwäldern gibt, wird es nicht aufhören.

@wie willst du Klopapier wiederverwenden? :D
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Sapmi » 1. Sep 2005 08:38

Sanna_Tanija schrieb am 01.09.2005 07:02
nunja, solange es "nur" recyceltes zeitungspapier etc ist und kein recyceltes klopapier... :fear:
Aha, ertappt! Du bist die Böse, die sowas unterstützt. Bild

Zur Info: mittlerweile gibt es auch Recycling-Toilettenpapier, das sich nicht wie Schmirkelpapier anfühlt...
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Svea » 1. Sep 2005 12:03

Die traurige Tatsache ist ja, dass Recyclingpapier in Deutschland dermaßen teuer ist, dass ich es mir als Student momentan wirklich nicht leisten kann [img]mad.gif[/img] (es geht ja nicht nur um einen Block, man hat ja einen enormen Papierverbrauch) .
Ich schriebe eigentlich ganz gerne auch Ökopapier, aber die Collegeblöcke in Recyclingpapier sind totale Mangelware und wenn dann doppelt so teuer wie die normalen [img]mad.gif[/img] .

@Sapmi: Ja, bei Plus gibt es welches, bei dem merkt man nicht direkt, dass es Recyclingpapier ist, aber so toll ist es nun wieder auch nicht :D .
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Re: Kahlschlag für das Klopapier

Beitrag von Klaus » 2. Sep 2005 14:34

Svea schrieb am 31.08.2005 21:04
aber wo die großen Wälder in Deutschland bitte sind, mit denen wir unseren Papierverbrauch sättigen könnten, würde ich schon mal gerne wissen...!?

Mit unseren Ressourcen könnten wir jedenfalls unseren Papierverbrauch leider nicht stillen.

Schon mal was vom Schwarzwald, Bayerischen Wald, Rothaargebirge, Thüringer Wald, Taunus, Eifel, Hunsrück gehört? :D

Okey, Spaß bei Seite, das stimmt natürlich. Für 80 Mio. Menschen haben wir hier zu wenig Wald, um alles an Papier, Klopapier, Zeitungen und weiß der Teufel nicht alles zu sättigen. Aber was zwingt uns dazu, das Papier ausgerechnet aus Bäumen aus Samiland zu holen? Gut, der Wald da oben ist auch zu Wirtschaftszwecken da, dass darf man auch nicht vergessen. Nur muss man ja nicht solche Massen daher holen. Wir haben schließlich eigenen Wald (der wohl zu Naherholungszwecken nützlicher ist) und dann gibt es auch noch Sibieren und Alaska/Kanada, wo es auch sehr viel Wald gibt. Zudem ist die Wildnis da sehr viel weitläufiger als im vergleichsweise kleinen Samiland.

Aber man fragt sich ja doch, warum wir das Holz da oben herholen und gleichzeitig die eigenen Bäume als Holz nach China verkaufen!!! So ein Quatsch! Soll doch jeder sein eigenes Holz gebrauchen! Davon, dass das Holz quer durch die Welt gefahren wird, wird es bestimmt nicht besser.
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