als Vegetarier in Finnland unterwegs

Eßgewohnheiten, Rezepte, finnische Küche

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leonie
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als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von leonie » 30. Mär 2013 13:43

Ich bin Vegetarier und ziemlich oft in Finnland unterwegs.
Wenn ich mich privat selber versorgen, selber kochen, selber einkaufen kann, geht das. Zumal es ja in den Städten immer mehr Läden/Kaufhäuser mit vegetarischen Produkten gibt (obwohl die Sachen oft unverschämt teuer sind). Und Gemüse gibts ja eigentlich überall, wenn auch oft in schlechterer Qualität.Ich bin froh und dankbar, dass Lidl den Sprung nach Finnland geschafft hat. Dankeschön! Wir sind hier in Deutschland ganz schön verwöhnt, was Preis und Qualität unserer Lebensmittel angeht.
Wenn ich aber unterwegs bin und auf Restaurants/Imbisse oder ähnliches angewiesen bin, dann wirds für mich echt oft schwierig. Ich rede jetzt nicht von Städten wie Helsinki, da ist alles kein Problem.Da gibt es alles. Aber in klieneren Städten und auf dem Land? Die Salatbüfetts sind im Vergleich zu Deutschland oft miserabel ausgestattet und hängen einem sehr schnell zum Hals heraus. Mein Vokabular ist nicht so umfangreich, dass ich Speisekarten komplett übersetzen kann, da hab ich oft schon ziemlichen Unsinn bestellt und oft gibt es auch kein ausgewiesenes vegetarisches Gericht. Ich versuche immer irgendwelche Läden zu finden,in denen es Büfett zu Mittag gibt und ess nur die Beilagen. Wenn alle Stricke reissen, gehe ich zu Mc Donalds und Co und nehm 'ranskalainen' oder irgendwo ein Stück Pizza von der ich dann hoffe, dass nicht doch Fleisch /Schinken oder Fisch drauf ist. Süsskram ist auch keine Lösung irgendwann kann ich keine´" pulla " mehr sehen und steh kurz vorm Zuckerschock.
Es gibt doch bestimmt Vegetarier hier im Forum, wie überlebt ihr das? Mein grosses Glück ist, dass ich wenigstens Käse esse und Produkte in denen Eier verarbeitet wurden. Ansonsten esse ich nichts was mich anschauen hätte können, also auch keinen Fisch.

lg leonie :nixweiss:

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Svea
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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von Svea » 30. Mär 2013 14:37

Ich lebe fast vegan und finde es in Finnland nicht wesentlich viel schwieriger als in Deutschland. Ersatzprodukte gibt es allerdings sehr wenig und wenn, dann eher nur in großen Städten in Ruohonjuuri zu sehr gesalzenen Preisen. Vegane Brotaufstriche vermisse ich wirklich. Aber ansonsten kann man sich ja das meiste selber machen. Finde nicht, dass die Qualität von Obst und Gemüse in Finnland durchschnittlich schlechter ist als in Deutschland. Auch finde ich Obst und Gemüse nicht wirklich nennenswert teurer.

In Restaurants bekommt man eigentlich immer auch irgendetwas Vegetarisches - wenn nicht auf der Karte, dann zumindest auf Anfrage. Die Qualität variiert. Klar könnte es besser sein, aber das denke ich mir zu Hause in Deutschland auch ständig. In der Großstadt ist alles kein Problem, aber auf dem Land könnte man manchmal verzweifeln... :(.

Pulla und anderes finnisches Gebäck (Blaubeerkuchen etc.) esse ich übrigens schon seit längerem nicht mehr - nicht nur, weil es Ei und Butter enthält, sondern weil ich es einfach nicht mehr sehen kann und es mir wirklich überhaupt nicht mehr schmeckt. Da verspeise ich lieber ein Reissumies mit Avocado oder Nüsse/Trockenobst :wink: .
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leonie
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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von leonie » 31. Mär 2013 10:58

Ich glaube, wenn ich dauerhaft in Finnland leben würde, würde ich in meiner Situation am meisten eine gute deutsche Bäckerei vermissen, alleine
der Auswahl an Brot und Brötchen wegen.
In Restaurants hab ich schon öfter mal versucht etwas fleischloses zu bestellen, so gut das meine Sprachkenntnisse eben zulassen, aber
die bieten dann meistens Fisch an. Das passiert mir in Deutschland aber allerdings auch. Es gibt ja einige, die von sich behaupten, sie seien Vegetarier,
heißt, sie essen keine Tiere, aber Fisch essen sie. Wieso? Sind Fische keine Tiere? Was ist das für eine Logik?

lg leonie

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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von Peter » 31. Mär 2013 11:18

leonie hat geschrieben:Es gibt ja einige, die von sich behaupten, sie seien Vegetarier,
heißt, sie essen keine Tiere, aber Fisch essen sie. Wieso? Sind Fische keine Tiere? Was ist das für eine Logik?
Nun, nicht wenige Menschen sind sind nur deshalb zu (halben) Vegetariern geworden, weil sie die nicht artgerechte Massentierhaltung und Tierquälerei, insbesondere auf dem Weg zum Schlachthof und während der Schlachtung ablehnen. Seefisch hingegen (nicht aus Zuchtbetrieben) wird von diesen "Vegetariern" oft akzeptiert.

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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von leonie » 31. Mär 2013 12:26

Natürlich hast du recht mit dem was du schreibst. Aber das sind, wie du selbst sagst, eben nur halbe Vegetarier.
Ich bin kein militanter Vertreter der Loge der Vegetarier, ich kann sehr wohl akzeptieren, dass Menschen Tiere töten um sie zu essen, wenn ganz bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Das Tier muss artgerecht gehalten werden und darf keinesfalls leiden, wenn man es tötet. Ich gehe da mit dir absolut konform, was Transport und Schlachthäuser angeht.
Die Art und Weise wie in unserer Konsumgeselllschaft mit dem 'Produkt' Tier umgegangen wird, akzeptiere ich in keinster Weise. Der Bezug zu dem Lebewesen Tier ist den Meisten doch komplett abhanden gekommen, die stopfen in Unmengen und Unmassen Fleisch in sich hinein, weil es unbegrenzt verfügbar ist, ohne sich überhaupt nur einen Gedanken darüber zu machen, was sie da essen, wo das herkommt und wie es behandelt wurde. Hauptsache billig! :daumrunter:
Das ist ein Abendfüllendes Thema!
Ich stamme selbst aus einer Bauernfamilie, bei uns gab es Sonntags Fleisch und das wars auch schon! Und da wurden auch keine 20 Schweine für die Familie geschlachtet, weil das Filet so gut schmeckt, sondern nur eines und das auch noch zuhause. Und dieses Tier wurde dann komplett verwertet.

lg

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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von St.Nitzsche » 1. Apr 2013 10:00

Auf dem Land ist es schon etwas schwieriger und allgemein schwieriger in Finnland sich im Restaurant nur vegetarisch zu ernähren.
Das hat was mit der Mentalität und der Bevölkerungsdichte zu tun.
Wer diesen Trieb hat, kommt nicht umher, sich selber mehr zu versorgen.
Weiter gehe ich auf dieses Thema nicht ein....weil ich eine Meinung vertrete, die aus über 40Jahren Leben auf dem Bauernhof entsprungen ist und somit ein bissl was weiß, wie Lebensmittel entstehen. Und dort wird man Vegetarierer eher selten finden....und dort gibts auch Respekt gegenüber dem Tier, auch wenn es geschlachtet wird.
Ein natürlicher Vorgang.....aber heutzutage wird ja gern künstliche Nahrung zu sich genommen und man ist ja da so gesund und umweltbewusst.....
Eine städtische Entwicklung, die ich nicht begrüße

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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von Svea » 1. Apr 2013 13:51

St.Nitzsche hat geschrieben:Auf dem Land ist es schon etwas schwieriger und allgemein schwieriger in Finnland sich im Restaurant nur vegetarisch zu ernähren.
Das hat was mit der Mentalität und der Bevölkerungsdichte zu tun.
Wer diesen Trieb hat, kommt nicht umher, sich selber mehr zu versorgen.
Weiter gehe ich auf dieses Thema nicht ein....weil ich eine Meinung vertrete, die aus über 40Jahren Leben auf dem Bauernhof entsprungen ist und somit ein bissl was weiß, wie Lebensmittel entstehen. Und dort wird man Vegetarierer eher selten finden....und dort gibts auch Respekt gegenüber dem Tier, auch wenn es geschlachtet wird.
Ein natürlicher Vorgang.....aber heutzutage wird ja gern künstliche Nahrung zu sich genommen und man ist ja da so gesund und umweltbewusst.....
Eine städtische Entwicklung, die ich nicht begrüße
Dafür, dass du auf das Thema eigentlich nicht eingehen wolltest, gehst du aber ganz schön drauf ein. Dass jemand vom Bauernhof kommt, macht ihn aus meinen Augen übrigens nicht automatisch kompetent/weitsichtig. Sonst sähe unsere Tierhaltung schließlich nicht so aus wie sie heute aussieht.

Was an pflanzlicher Nahrung künstlich ist, ist mir nicht wirklich klar. Künstlich finde ich gefärbte Fruchtgummis, Joghurts mit Spekulatiusgeschmack und Fleisch von Tieren, die mit Soja aus Brasilien gemästet wurden und nicht einmal das Tageslicht genossen haben. Ich bin mit meiner "unnatürlichen" Ernährung jedenfalls noch nicht ein einziges Mal krank gewesen (nein, ich bilde mir nicht ein, dass das nur von meiner Ernährung kommt, aber so schlecht kann sie dann ja trotzdem nicht sein :wink: ).
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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von St.Nitzsche » 1. Apr 2013 19:34

Sorry, ich wollte keinen zu Nahe treten. War nur meine Meinung.
Das die Tierhaltung so aussieht...ist nur eine Frage des Preises und des Gewinns.
Wer Vegetarier sein will, sollte es tun...

leonie
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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von leonie » 2. Apr 2013 08:48

St.Nitzsche hat geschrieben:Sorry, ich wollte keinen zu Nahe treten. War nur meine Meinung.
Das die Tierhaltung so aussieht...ist nur eine Frage des Preises und des Gewinns.
Wer Vegetarier sein will, sollte es tun...
Ich kann dich gut verstehen, komme ja selbst vom Bauernhof und sehe vieles auch noch aus einer ökonomischer Sicht. Ich bin nicht nur, wie oben bereits angeführt aus moralischen Gründen Vegetarier. Ich weiss auch wie gutes qualtitaiv hochwertiges Fleisch auszusehen und zu schmecken hat.Was in den Regalen der meisten Supermärkte liegt, hat damit nicht mehr viel zu tun! Ich weiß, wieviel Aufwand und Arbeit in ein zu schlachtendes Tier investiert werden muss,um gute Qualität abzuliefern und was der Bauer dann noch dank europäischer Agrarpolitik dafür bekommt, ist ein Witz und deckt in keinsterweise mehr die Kosten. Und gefährdet die Existenz jedes kleineren (die gibt es ja schon kaum mehr) und mittleren Bauernbetriebes und zwingt die Bauern in die Industrieproduktion. Selbst die Biobauern haben Probleme einen ordentlichen Preis für ihre Waren zu erzielen.Wer als Verbraucher hier in Deutschland ein Kilo Hackfleisch für 4,99 kauft und erwartet dann auch gute Qualität dafür zu bekommen, hat null Ahnung. Eh ich sowas esse , esse ich lieber gar kein Fleisch.Wer sowas kauft, unterstützt und fördert die Massentierhaltung, denn ohne die, sind diese Niedrigstpreise nicht zu erzielen. Aber darüber machen sich Verbraucher ja keine Gedanken, hauptsache immer zur Verfügung und billig! Immer, wenn ich so etwas sage, kommt immer das gleiche Argument: "ja,ich hab nicht so viel Geld, ich muss eine Familie ernähren, ich muss günstig einkaufen." Da gibt es nur eine Antwort: "Mann muss nicht jeden Tag Fleisch essen"! Lieber einmal die Woche ein gutes hochwertiges Stück, von dem ich auch einigermassen weiss, wo es herkommt, als jeden Tag irgendein Mist der mit Antibiotika , Dioxinen oder weiß der Teufel was vollgestopft ist. Wem das egal ist, tut mir leid, der soll sich weiterhin nicht darüberaufregen, wenn er Pferdefleisch anstelle Rind in der Lasagne für 2,99 hat.
Ich finde es selbst nicht in Ordnung, wenn Vegetarier immer nur die Bauern als Tierquäler verteufeln und pauschal über einen Kamm scheren. :evil: Jedes Ding hat einfach immer mehrere Seiten.

lg

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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von Svea » 2. Apr 2013 18:37

leonie hat geschrieben: Ich finde es selbst nicht in Ordnung, wenn Vegetarier immer nur die Bauern als Tierquäler verteufeln und pauschal über einen Kamm scheren. :evil: Jedes Ding hat einfach immer mehrere Seiten.
lg
Ich habe noch nie erlebt oder gehört, dass Vegetarier "immer nur die Bauern als Tierquäler verteufeln und pauschal über einen Kamm scheren" :?: . Im Gegenteil, Vegetarier und Tierfreunde kämpfen an vielen Fronten und sind insbesondere aktiv in der Politik (z.B. Tierschutzbund) und in der Verbraucheraufklärung (VEBU etc.).

Unter den Bauern gibt es wie überall "solche" und "solche". Klar, dass die Bedingungen für faire und nachhaltige Landwirtschaft schwierig sind. Aber wie zahlreiche Bauern für ihren eigenen wirtschaftlichen Profit tausendfaches Leid und massive Umweltschäden mitverantworten können, kann ich trotzdem nicht nachvollziehen. Es geht ja schließlich nicht um Kleinigkeiten. Der Bauer sagt "Alles die Schuld von Verbrauchern und Politik!", die Politik sagt "Wir müssen international wettbewerbsfähig sein" und der Verbraucher sagt "Wir wollen doch nur essen. Tierqual haben wir nie gewollt!". Tja, und wenn mir dann auch noch mein übergewichtiger Tierarzt mit Bluthochdruck erklären will, wie ordentlich und gut die industriellen Ställe alle sind, dann schließt sich der Kreis. Meine Meinung dazu ist: am besten bei sich selbst anfangen und so handeln, wie man es für ethisch korrekt hält :wink: .
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Re: als Vegetarier in Finnland unterwegs

Beitrag von terro1 » 3. Apr 2015 13:30

Klappt doch sehr gut
Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat.

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