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Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 27. Dez 2016 18:42
von André
Ich möchte an dieser Stelle eine alte Tradition aus diesem Forum aufleben lassen und einen Reisebericht einstellen. Dabei zeige ich Fotos von meinem dreitägigen Ausflug in die Maarestatunturis im Lemmenjoki-Nationalpark. Den Rest der Strecke zeige ich nicht, man findet genug Fotos dazu im Netz.
In den Park kommt man mit dem Auto oder dem Taxi (80 Euro von Inari). Es gibt vor dem Parkeingang die Ortschaft Njurkalahti und dort die Ahkun Tupa, wo man Mökkis mieten, zu Mittag essen oder sich mit dem Boot ins Zentrum des Parks schippern lassen kann. Die eineinhalbstündige Fahrt bis zum Kultasatama kostet 20 Euro und ist definitiv ein Erlebnis.
Ich selber bin am ersten Tag von der Ahkun Tupa den markierten Wanderweg bis zum Ravadasnjarga, einem markierten Zeltplatz, gelaufen. Am Folgetag bin ich in den weglosen Bereich weiter, indem ich dem Ravadasjoki an seiner östlichen Seite nordwärts gefolgt bin. Ganz weglos ist es nicht, stellenweise ist ein Pfad zu erkennen. So nach und nach wird der Blick frei auf die Maarestatunturis. Nach etwa fünf Kilometern erreicht man den Ravadasjärvi, einen kleinen See aus dem der Ravadasjoki abfließt. Dort habe ich eine kurze Pause eingelegt und bin dann östlich abgebogen und auf den Gipfel des Peuranampumapää gestiegen.

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 27. Dez 2016 18:49
von André
Der Gipfel des Peuranampumapää ist kahl und ich konnte von dort aus den Searitjávri (ich schreibe hier teilweise die samischen, teilweise die finnischen Begriffe – je nachdem wie sie in meiner Karte eingetragen sind) mit dem Kompass anpeilen. Dort wollte ich übernachten. Ein paar Kilometer muss man nun durch den Wald, man kann aber auch mit dem Kompass ziemlich zügig gehen, weil die Bäume weit auseinanderstehen. Nach meiner Übernachtung am Searitjávri hatte ich für den nächsten Tag eine Durchquerung der Maarestatunturis geplant mit dem Ziel der Hütte am Vaskojoki. Am Morgen bin ich mit Kompass auf den Gipfel des Vuonjasoaivi. Man hat von dort aus einen schönen Blick zurück auf den Searitjávri.

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 27. Dez 2016 18:53
von André
Auf der Kuppe angekommen habe ich nach nordwest gedreht und bin auf den Gipfel des Roavvoaivi. Von der ganzen Hochfläche aus hat man einen herrlichen Blick in den westlichen Teil der Maarestatunturis. Schließlich bin ich westwärts beigedreht und den Ruitoávži im westlichen Teil der Maarestatunturis rauf. Den steilen und unwegsamen Gipfel des Soabbegealdinoaivi habe ich links liegengelassen und bin den nördlichen Hang entlang bis auf den westlichsten Gipfel der Hauptfläche der Maarestatunturis gelaufen um einen Anlegepunkt für den Kompass zu finden. Von dort aus geht es einige Kilometer durch den Wald in Richtung eines Durchlasses durch den Rentierzaun. Es gab dort ein paar Steilstücke, sowie mehrfache Bachüberquerungen. Im letzten Teil vor dem Rentierzaun sind Sümpfe zu überqueren. Ich bin ein paar Hundert Meter zu weit rechts vom Durchlass herausgekommen, aber es gibt den Zaun entlang auf beiden Seiten Trampelpfade, die gut begehbar sind.

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 27. Dez 2016 18:57
von André
An der Hütte am Vaskojoki habe ich niemanden getroffen und meine Nacht alleine dort verbracht. Am nächsten Morgen bin ich den Hang zum Látnjoaivi hinauf. Vom Gipfel aus hat man einen weiten Blick in die Landschaft. Ich bin weiter dann weiter Richtung Süden gelaufen, hier ist ein zweiter, baumloser Gipfel.

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 27. Dez 2016 19:00
von André
Ab dort geht es runter in das Tal des Látnjoaijohka, welches etwas sumpfig ist aber schön hell und grün und nette Blicke bietet. In ziemlich einer Linie bin ich aus dem Tal weiter südlich den Jäkäläpää hinaufgestiegen. Sobald man die erste Hochfläche überquert hat, sieht man die ersten Goldgräberhütten.

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 27. Dez 2016 19:02
von André
Auf dem Jäkäläpää liegt das Korhonen-Kulturzentrum, welches eine Bibliothek und wohl auch das Flughafengebäude auf dem Jäkäläpää ist. Die Situation ist ziemlich skurril, da drumherum gar nichts weiter ist. In der Bibliothek hängt ein Zeitungsartikel der von „der Welt abgelegenster Bibliothek“ spricht. Ein kleiner Zettel mit den Ausleihregeln ist an die Tür gepinnt, von den Fenstern aus hat man einen tollen Blick in die Tunturis. Eine kleine Fotoausstellung erzählt vom ehemaligen Hütteneigner. Südlich, nahe dem „Flughafen“ entspringt ein Bach, dem ich talwärts gefolgt bin. Der Abstieg an dem Hang und der folgende Anstieg aus dem Tal es Jäkälä-äytsi ist nicht empfehlenswert wenn man bereits müde ist. Es ist dort relativ steil und es gibt ziemlich viel loses Geröll. Es ist empfehlenswerter die Versorgungswege zu nutzen, die es im westlichen Teil des Jäkäläpääs gibt und die vom Rundweg aus dort hin führen. Im Tal des Jäkälä-äytsi sieht man, wie es aussieht, wenn nach Gold gesucht wird. Das Tal ist der Länge nach umgegraben und es stehen dort zahlreiche Bagger herum. Alle paar Kilometer steht eine Hütte. Der Bach wird über Becken geleitet, an deren Grund sich das schwerere Gold ablagert. Aber auch dort habe ich keinen einzigen Menschen getroffen, vielleicht auch weil es Sonntag war. Ab dort bin ich wieder den Hang hinauf und zurück zum markierten Rundweg. Am Zeltplatz Mattit Ravadas habe ich dann übernachtet. Am Folgetag bin ich den Rest des Rundweges über Morgamojan Kultala, danach einem markierten Ausflug zur Stelle wo das erste Mal Gold gefunden wurde und dann zum Kultasatama weiter. Kultasatama habe ich wieder im Zelt übernachtet. Nach schweren Regenfällen waren die Wege teils nur noch schwer passierbar und daher bin ich am Folgetag aus Sicherheitsgründen nur bis Ravadasjärvi gelaufen und habe mich von dort mit dem Abendboot nach Njurkalahti zurückfahren lassen. Die Fahrt hat von dort 15 Euro gekostet. In Njurkalahti habe ich ein Zimmer gemietet und bin am nächsten Tag mit dem Taxi nach Inari zurückgefahren.

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 28. Dez 2016 08:45
von skandinavian-wolf
Hallo André,
danke fürs Mitnehmen.
Sieht aber auch sehr durchwachsen aus vom Wetter her.
Was ist eigentlich an einem Bach unsympathisch? :wink:
Viele Grüße
Uwe

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 28. Dez 2016 12:57
von André
Ja der Bach... den hatte ich am Vortag schon ein paar mal durchquert um das Loch im Rentierzaun nicht zu verpassen. Und wer wandert kennt das ja: Rucksack absetzen - Schuhe ausziehen - Hose hochkrempeln - Schuhe an den Rucksack binden - Mücken totschlagen - Sandalen anziehen - durch den Bach waten - Sandalen ausziehen - Mücken totschlagen - Füße trocknen - Mücken totschlagen - Schuhe wieder anziehen - Rucksack aufsetzen und dann braucht man eine halbe Stunde für 100 Meter durch sumpfiges Gelände und steht - wieder am Bach. Und mag man dann noch so naturverbunden sein, ab diesem Moment findet man Bachbegradigungen toll, schwärmt für feingeschotterte Wanderwege und fragt sich warum man eigentlich den Urlaub nicht im Spa Hotel verbringt.

Das Wetter war durchwachsen, aber mir ist das lieber als reiner Sonnenschein. Die Landschaft ist dann noch stimmungsvoller und das Zelten sowie die Hütten machen doppelt so viel Freude. Erst die letzten Tage, als ich auf dem markierten Wanderweg zurück war hat es geschüttet, da habe ich aber dann auch nicht mehr viel gemacht, sondern mich mit den anderen Wanderern unterhalten und Kaffee getrunken.

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 1. Jan 2017 17:10
von Sapmi
So, nun habe ich mir das Ganze auch endlich in Ruhe angesehen.
Vielen Dank für den Bericht und die schönen Fotos. :elch:
Klingt nach einer insgesamt idyllischen Tour.

Hätte jetzt gar nicht damit gerechnet, dass da noch so viele Mücken waren. Aber ok, das war eher in der ersten Augusthälfte, oder?

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 2. Jan 2017 13:20
von André
Es war schon in der zweiten Augusthälfte. Mücken gab es eigentlich gar keine mehr, nur in den sumpfigen Niederungen waren sie noch recht fleißig. Dieses Jahr war es sehr nass, die Wasserstände waren überall wieder sehr hoch, vielleicht waren sie deshalb noch aktiv.

Anfang September war ich dann 3 Tage bei Utsjoki in den Paistunturis, da habe ich gar keine Insekten mehr gesehen. Die Temperatur war zwischen 2 und 10 Grad. Abends, wie ich das Zelt aufgebaut habe, habe ich dann bemerkt, dass auf dem Boden kein einziges Insekt zu sehen war. Überhaupt habe ich dort auch fast keine Vögel oder sonstige Tiere gesehen. Nur Rentiere natürlich.

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 2. Jan 2017 17:02
von Tenhola
Danke für den schönen Bericht. Wenn vom Lemmenjoki geschrieben wird, bekomme ich immer "Heimatgefühle", war doch der Látnjoaivi quasi mein "Hausberg".
Wenn ich mit Touristen unterwegs war, haben wir am Ravadasjärvi immer die erste Nacht verbracht.
Am Searitjávri habe ich öfters in der Hütte am Ostufer übernachtet, bis sie dann 1987 wegen Blitzschlag abgebrannt ist.
Die Hütte am Vaskojoki benutzte ich jeweils auf meinen Touren aber auch sehr oft, wenn wir am Vaskojoki fischten. Da ich meistens von der anderen Uferseite kam, musste ich immer den Fluss überqueren und das war oft eine schwierige Angelegenheit und als ich mal mit Sack und Pack absoff, hatte ich genug. Ich deponierte darauf im nächsten Winter auf beiden Seiten ein Kanu. Damals war der nicht öffentliche Teil der Hütte noch im Besitz der finnischen Luftwaffe. Heutzutage bekommt man in der Ahkun Tupa den Schlüssel für 60 € (inkl. Sauna).
Damals gab es den Rentierzaun unterhalb der Maarestatunturis noch nicht und man musste noch keine Tore suchen.
Warum hast Du bei Kultasatama nicht in der Hütteübernachtet?

Re: Lemmenjoki, Maarestatunturis im August 2016

Verfasst: 2. Jan 2017 17:37
von André
Hallo Tenhola, danke auch für Deine schönen Fotos. Ich kenne sie von Deiner Homepage die Du früher mal hier verlinkt hattest. U. a. Deine Berichte haben dazu geführt, dass ich heute selber solche Touren mache. In der Hütte habe ich nicht übernachtet, weil dort eine Gruppe sehr junger Männer waren, die feiern wollten, was ich ihnen auch sehr gönnte. Mir fällt es schwer mit anderen in einem Raum zu schlafen zumal die dann irgendwann ziemlich betrunken waren. Ich schlafe am liebsten in meinem Zelt. Und da oben auf dem Zeltplatz konnte ich noch abends so schön alleine im Wald sitzen und meinen Tee trinken.

Ach ja den Vaskojoki habe ich mir angeschaut. Den hätte ich alleine nur mit Seil überquert. Also einmal Seil spannen und dann das Gepäck rüber und Seil wieder abspannen. Der hat eine ordentliche Strömung. Auf deinem Bild sieht das noch machbar aus. Aber unterhalb der Hütte hätte ich mir das nicht ohne Bedenken zugetraut.