Finnisches Schulsystem

Seit PISA blickt alles nach Finnland. Hat das Land ausser guten Schülern, Handys und Nokia sonst noch etwas zu bieten?

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Naali
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Naali » 19. Mai 2005 19:04

Die gymnasiale Oberstufe dauert 2-4 Jahre, je nach Tempo..Seit 1982 wird der Unterricht in der gymnasialen Oberstufe in Kurse von jeweils etwa 38 Unterrichtsstunden unterteilt. Ein Schuljahr umfasst gewöhnlich 5 oder 6 Abschnitte. Für jeden Abschnitt wird ein eigener Arbeitsplan erarbeitet, in dem der Schwerpunkt auf bestimmten Fächern liegt. Das Voranschreiten im Studium und die Zusammensetzung der Unterrichtsgruppen hängt von der individuellen Kurswahl der Schüler ab. Als Folge dessen gibt es in der gymnasialen Oberstufe keine Jahrgangsklassen mehr. Die zentralen Abiturprüfungen sind immer im Herbst oder Frühjahr. Man kann das Abitur auf einmal oder in Abschnitten machen (ein teil im Frühjahr, der andere im Herbst z.B.)

Fachochschulen gibt es knapp 30 in Finnland. Auch hier gibt es bei vielen Studiengängen Aufnahmeprüfungen und der Andrang ist hoch.
An Fachhochschulen können die Fachbereiche Naturressourcen, Technik und Verkehr, Handel und Verwaltung, Touristik, Ernährung und Wirtschaft, Soziales und Gesundheit, Kultur und Humanistik sowie Pädagogik belegt werden. Die Regelstudienzeit an Fachhochschulen beträgt 3,5 oder 4,5 Jahre (140-180 Studienwochen) Die Studiengänge beinhalten Grund- und Fachstudium, frei wählbare Lehrveranstaltungen, Praktikum sowie eine Examensarbeit. Das Unterrichtsministeriumbestätigt die Unterrichtsprogramme, über die Lehrpläne wird jedoch auf Fachhochschulebene entschieden.

Die Merkmale der Fachochschule:

* Aufnahmebedingung ist der Abschluss einer beruflichen Erstausbildung oder des Abiturs
* Die Auswahl wird von den Fachhochschulen im Rahmen ein landesweit gültigen Bewerbungs- und Auswahlverfahren getroffen
* Fachhochschulstudiengänge schliessen mit einem Hochschulabschluss ab
* Die Regelstudienzeit beträgt 3,5 oder 4,5 Jahre; Studenten haben das Recht, für die Absolvierung der Studiengänge noch ein zusätzliches Jahr aufzuwenden
* Alle Studiengänge beinhalten ein Praktikum von mindestens 20 Studienwochen (ein Semester)
* Kostenfreie Lehrveranstaltungen
* Träger der Fachhochschulen sind Gemeinden oder private Körperschaften, Fachhochschulen befinden sich nie in staatlicher Trägerschaft
* Enge Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung mit dem regionalen Erwerbsleben


Finnland hat 20 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen: 10 Universitäten, 3 technische Hochschulen, 3 Handelshochschulen sowie 4 Kunsthochschulen. Die Universitäten sind über das gesamte Land verstreut und bieten Studienplätze für fast ein Drittel einer Altersklasse. Alle Universitäten befinden sich in staatlicher Trägerschaft. Zusätzlich können militärische Hochschulabschlüsse an der Hochschule für Landesverteidigung absolviert werden. Diese Hochschule ist dem Verteidigungsministerium unterstellt.

Die Universitäten verfügen über ein selbsständiges System der Beschlussfassung. Die Arbeit der Universitäten wird im Gesetz und in der Verordnung über Universitäten geregelt. Zusätzlich gibt es fachrichtungsspezifische Examensverordungen, in denen die fachrichtungsspezifische Ausbildungsverantwortung, Examensbezeichnungen, Umfang und Aufbau der Examen sowie deren Ziele und Inhalt festgelegt sind. Die Universitäten und Fakultäten legen die Examensregeln und Lehrpläne fest. In Ergebnisverhandlungen zwischen Universitäten und Unterrichtsministeriumwerden die Ziele der Universitätsarbeit und universitäts- und fachrichtungsspezifische Ziele bei der Erlangung von akademischen Graden festgelegt. Diese Ziele basieren auf landesweit angefertigten Analysen über den Bildungsbedarf und auf Bildungsentwicklungsprogrammen. Die Auswahl der Studenten erfolgt auf Universitätsebene. . Der Schwerpunkt des Auswahlverfahren liegt auf verschiedenen Aufnahmeprüfungen. Es gibt etwa für ein Drittel einer Altersklasse Studienplätze für Anfänger. Jährlich bewerben sich etwa 66000 Personen um Universitätsplätze, von den Bewerbern werden 23000 aufgenomm
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Finnisches Schulsystem

Beitrag von Naali » 19. Mai 2005 19:04

Fast alle Kinder in Finnland besuchen ein Tagheim oder einen Kindergarten. Später besuchen 90% der Kinder, die im folgenden Jahr schulpflichtig werden, ein Jahr eine Vorschule.Die allgemeinen Prinzipien der Grundlagen der Vorschule zielen auch auf die Individualität des Kindes sowie die Bedeutung des aktiven Lernens und der Gruppenarbeit. es wird auf keinen Fall schon bewertet, aber Beobachtung über die Entwicklung und Schulreife des Kindes.
Mit 7 meist werden die Kinder dann eingeschult. In Finnland gibt es nur einen Schultyp für grundlegenden Unterricht, die Gesamtschule (abgesehen von Förderschulen). In den ersten 6 Jahren werden die Schüler meist vom Klassenlehrer unterrichtet. In den darauffolgenden 3 Jahren erteilen Fachlehrer in den verschiedenen Fächern den Unterricht. Zum Lernpensum der Gesamtschule gehören Muttersprache und Literatur, zweite Landessprache, Fremdsprachen (die erste ab der dritten Klasse), Umweltlehre, Gemeinschaftskunde, Religion oder Ethik, Geschichte, Gesellschaftskunde, Physik, Mathematik, Chemie, Biologie, Geographie, Sport, Musik, Kunsterziehung sowie Handarbeit und Hauswirtschaftslehre. Auch gibt es individuelle Betreuung, psychologische Beratung und nachhilfeunterricht. Sitzenbleiben gibt es quasi nicht. Die Schule nimmt sich Zeit um die Schüler aufzufangen und zu unterstützen.
Die Gesamtschule endet nach dem 9. Schuljahr.
Etwa 94% der Schüler besuchen dannach eine Schule im Sekundarbereich II. 82% bringen ihn zum Abschluß. Das ist die gymnasiale Oberstufe oder die Berufsschule. Die Berufsschule führt zu einem beruflichen Abschluß (in Finnland ist dies so gut wie nie im dualen System wie in Deutschland, sondern an Berufsschulen) und gleichzeitig immer auch zur Fachhochschulreife, wenn sie 3 Jahre dauert. Meist dauert eine Ausbilung an der Berufsschule 3 Jahre.Die Ausbildung umfasst 120 Studienwochen, von denen 90 Studienwochen als Fachstudium und Praktikum, 20 Studienwochen als gemeinsame Studieneinheiten und 10 Studienwochen als frei wählbare Studieneinheiten absolviert werden. Die Ausbildung findet hauptsächlich in der Ausbildungseinrichtung(Berufsschule) statt, mindestens 20 Studienwochen werden als Praktikum am Arbeitsplatz absolviert. Die gemeinsamen Studieneinheiten beinhalten die Fächer Muttersprache, zweite Landessprache, Fremdsprache, Mathematik, Physik und Chemie, Gesellschaftskunde, Unternehmens- und Berufskunde, Sport und Hygiene sowie Kunst und Kultur.
Für fast alle Ausbildungen gibt es Aufnahmeprüfungen, der Andrang ist je nach Ausbildung hoch.
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Naali » 19. Mai 2005 19:22

Fremdsprachen: Etwa 98 Prozent der finnischen Schüler lernen in der Gesamtschule Englisch, etwa 90 Prozent lernen Schwedisch ( als zweite Landessprache), 22% lernen Deutsch, 7 %Französisch und 1% Russisch. Spanisch ist unter 1%.
In der gymnasialen Oberstufe lernen 99%Englisch, 94% Schwedisch, 46 % Deutsch, 23%Französisch, 7%Russisch und 6% Spanisch. Man kann auch noch andere Sprachen wie Latein wählen, aber es wird nicht oft angeboten. Deswegen kommen die anderen Sprachen auf unter 1%.

Ausländische Kinder mit wenig oder gar keinen Finnischkenntnissen werden zuerst in Sonderklassen unterrichtet. Erst wenn sie einem Unterricht auf Finnisch sehr gut folgen können, kommen sie in Klassen mit finnischen Muttersprachlern.
Auch für Erwachsene oder Jugendliche mit Wunsch einer Ausbildung gibt es eine ähnliche Möglichkeit. In Sonderklassen bekommt man Unterricht in Finnisch und verschiedenen anderen Fächern. Ziel des Unterrichts in verschiedenen Fächern ist ein guter Wortschatz in diesen Bereichen. Um in Finnland eine Ausbilung machen zu können bzw zu studieren ist meist eine Sprachprüfung nötig.
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Svea » 24. Mai 2005 22:39

Was ist denn Umweltlehre genau? Hat das was mit Umweltschutz zu tun?
Und was umfasst alles Hygiene?

Interessant auch, dass man sein Abi zeitlich versetzt machen kann...
Es wäre für mich noch interessant zu wissen, wie die Abiturprüfungen aussehen und inwieweit sie sich von unseren unterscheiden.

Danke auf jeden Fall für die bisherige Info :)
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Naali » 25. Mai 2005 12:22

Hygiene ist Gesundheitslehre. Bei Umweltlehre lernt man Umweltschutz (wie kann man selber die Umwelt schützen oder auch allgemeine Grundlagen usw), aber auch Allgemeines über Luft, Wald, Wasser usw.
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Tuisku » 30. Mai 2005 19:49

Bei uns in der Zeitung war ein interessanter Artikel über einen finnischen Rektor (Heikki Kotilainen) des Oberstufen-Schulzentrums Lauttasaari in Helsinki, welcher sich das schweizerische Bildungssystem während zwei Wochen angeschaut hat. Zweck dieses Studienauftrages ist natürlich von Finnland zu lernen, um bei Pisa besser abzuschneiden.
Der erste Eindruck war der, dass in der Schweiz die Schüler sitzen und zuhören, wobei der Unterricht mit grosser Distanz zwischen Lehrer und Schüler stattfindet. In Finnland herrsche in den Klassen viel mehr Lärm und Aktivität. Die Schüler lernen gruppenweise und nach individuellen Aufträgen.

Interessant waren auch acht Thesen zu Pisa-Erfolgsfaktoren, die in der Schweiz mal im Ernst, mal im Scherz kolportiert werden, mit dem Kommentar von Herrn Kotilainen:

These 1: Finnen essen viel Fisch. Fisch fördert die Intelligenz. Darum sind Finnen so intelligent.
Kotilainen: Wir essen tatsächlich viel Fisch. Aber ich glaube nicht, dass wir intelligenter sind als andere Völker; geschweige denn, dass der Fischkonsum irgendeinen Einfluss hat.

These 2: Wegen der langen, dunklen Winter hat Finnland eine Lesetradition, die ihresgleichen sucht.
Kotilainen: Klingt lächerlich, ist aber wahr. Finnen lesen viel, quer durch alle Textgattungen. Statistiken weisen Finnen als Rekord-Bibliotheksbenutzer aus.

These 3: Finnlands Ausländerquote liegt bei 2 Prozent (Schweiz zehnmal so hoch). Kaum jemand also, der das kulturelle, mentale, sprachliche Erbe nicht teilt. Die Schulsprache ist für fast alle die Muttersprache.
Kotilainen: Das ist korrekt. Und es ist mit Sicherheit ein ganz wichtiger Faktor für das hervorragende Abschneiden bei den Lese-Aufgaben der Pisa-Studie.

These 4: Eine Klasse hat in Finnland höchstens 20 Schüler.
Kotilainen: Komplett falsch. In der Grundschule gibt es Klassen, die bis zu 32 Schüler stark sind. In den höheren Jahrgängen sind es im Schnitt in den Kernfächern immer noch 25. (Das entspricht der Maximalklassengrösse in der Schweiz.) Die Klassengrössen sind ein echtes Problem.

These 5: In jeder Schule stehen dem Lehrer eine Schulschwester, eine Sozialpädagogin, eine Psychologin, eine Speziallehrerin und eine unbestimmte Anzahl von Assistenten zur Verfügung. Alles was nicht strikt Unterrichtsstoff ist, wird an diese Fachkräfte delegiert.
Kotilainen: So ist es. Auch wenn in der Regel eine Lehrperson unterrichtet, besteht jederzeit die Möglichkeit, auffällige oder schwache Schüler individuell betreuen zu lassen. Die Kräfte, die Sie aufgelistet haben, gibt es an jeder Schule. Einzelne Klassen werden von bis zu 4 Personen betreut.

These 6: Jeder Schüler erhält so viel individuellen Zusatzunterricht, wie er benötigt, um der Klasse zu folgen. Diesen Unterricht erteilt nicht der Klassenlehrer, sondern eine Spezialkraft. Er kommt rund 17 Prozent aller Volksschüler zugute; das entspricht etwa dem Anteil von Schweizer Jugendlichen, die nicht einmal über grundlegende Fertigkeiten verfügen.
Kotilainen: Das deckt sich mit meinen Erfahrungen und den mir bekannten Zahlen.

These 7: Alle Schüler zwischen 7 und 16 besuchen dieselbe "Gesamtschule"; es gibt keine verschiedenen Schultypen und keine Leistungszüge.
Kotilainen: Stimmt nur bedingt, nämlich für die ersten neun Schuljahre. Das Leistungsniveau variiert innerhalb der Klasse, nicht innerhalb eines Schultyps.

These 8: Der finnische Stundenplan ist sprachenlastig. Kinder lernen die erste Fremdsprache in der dritten Klasse, die zweite in der fünften, die dritte in der siebten. Sie können die Reihenfolge der Sprachen frei wählen.
Das trifft zu. Es ist sogar geplant, die zweite Fremdsprache auf die vierte Klasse vorzuverlegen. Zwei Fremdsprachen sind obligatorisch, die dritte ist fakultativ.
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Naali » 31. Mai 2005 09:52

These 1 ist völliger Schwachsinn :D aber lustig. These 2..nunja...so sehr dunkel sind die finnischen Winter im Süden beispielsweise auch nicht und der Sommer ist sehr hell. Ich denke, das hat eher auch was mit dem gut ausgebauten Büchereinetz (und wo keine Bücherei ist, kommt ein großer Büchereibus mit Büchern. Sogar in Heime und Krankenhäuser) zu tun. Die Büchereien sind für alle Leute kostenlos, es gibt gemütliche Leseecken, kostenloses Internet und eine immens große Auswahl an Büchern. Auch sind sie gut erhalten und es gibt viele Neuerscheinungen. Auch die Musikbücherei ist unschlagbar. Man fühlt sich in einer Bücherei fast zu Hause *g* und ich bin natürlich auch gerne dort. Solche Büchereien habe ich in Deutschland bisher noch nicht gesehen.
These 7 finde ich eigentlich richtig. Von Klasse 1-9 haben alle zusammen Unterricht. Dannach gehen etwa 50% zur Berufsschule und 50% machen die gymn. Oberstufe. Es teilt sich zwar, aber das Berufsschulniveau ist ziemlich hoch, denn alle haben dannach Fachhochschulreife.
ich finde nicht, dass in Finnland viel mehr Lärm und Aktivität in den Klassenräumen herrscht. Das mag für die Pflichtschule zutreffen. Aber in der gymn Oberstufe geht es schon fast zu wie in der Uni. Meistens sitzt man im Unterricht und hört zu. Das gilt auch für die Sprachen leider und man bekommt so kaum Sprachpraxis.
Arbeitsgruppen gibt es aber ziemlich viele.
These 3 ist richtig, aber Finnland hat auch einen sehr guten Eingliederungsplan für ausländische Kinder, deren Finnisch unzureichend ist. Stuttgart hat 25% Ausländer und viele Kinder haben unzureichende Deutschkenntnisse. Ich habe in der Pädiatrie gearbeitet und machte Entwicklingstests für Kinder. 1 Jahr vor Beginn der Schule prüften wir auch Sprache..eigentlich war es ein Test zur Sprachentwicklung, aber viele ausländische Kinder (die in D sogar geboren sind) konnten so wenig Deutsch, dass der Test nicht möglich war. Und so werden die Kinder dann auch eingeschult. Es wird nichts getan und auch viele Eltern sind leider uneinsichtig.
In Finnland werden die Kinder erst in Extraklassen unterrichtet um auf ein gutes Sprachniveau zu kommen. Erst dann gehen sie mit den Muttersprachlern in gemeinsame Klassen.
These 8. es werden zwar viele Sprachen gelernt, aber oft finde ich den Unterricht nicht so gut. Es gibt viel Grammatik und Sprachpraxis bekommt man fast nicht. Theoretisch kann man die Sprache zwar, aber man hat durch die fehlende Praxis doch ziemliche Lücken. Eine Ausnahme macht vielleicht Englisch, weil die Sprache auf der ganzen Welt ziemlich präsent ist.
Wenn man den mathematischen Zug wählt, dann hat man dafür weniger Sprachen. Eine Freundin hatte nur Deutsch in der Schule.
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Svea » 31. Mai 2005 14:42

Ja, das mit den Sprachen scheint zu stimmen. Generell finde ich vieles gut, was ich über das finnische Schulsystem gelesen habe. Besonders die Förderung des Erlernens der Sprache für Ausländer in anfangs getrennten Klassen halte ich für sinnvoll.
Aber was das Erlernen von Fremdsprachen angeht, scheint es mir auch nicht so optimal...ich hatte mal eine Brieffreundin aus Finnland, die seit ca. 5 Jahren Deutsch lernte und im Abi hatte, aber nicht einen einzigen Satz auf Deutsch schrieb...fand ich schon sehr denkwürdig :rolleyes: .
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Naali » 31. Mai 2005 15:20

Manchmal ist es auch so, daß sie sich bei Muttersprachlern nicht trauen die Sprache zu sprechen. In Finnland sagt man eigentlich erst "man kann eine Sprache", wenn man sie wirklich perfekt kann. Alles andere wird mit "ein bißchen" heruntergespielt.
Meine Schüler haben seit 7-9 Jahren Deutsch und als ich meinen Konversationsunterricht anfing war es relativ schwer. Die Schüler wußten nicht so genau, wie man im alltäglichen Leben spricht. Zwar war das Wissen über Grammatik usw gut und auch in Literatur und Lesen anspruchsvoller Texte waren sie spitze. Aber es haperte bei ganz normalen Gesprächen, der Alltagskonversation. Da aber das theoretische Wissen sehr gut war, ging es aber auch recht schnell und der Unterricht wurde richtig lebendig.
Eine Schülerin sagte, sie hätte anfangs ziemliche Probleme mit der Sprache bei ihrem Austauschjahr in Deutschland gehabt. Trotz 7 Jahren Deutsch (erste Fremdsprache).
Eine andere Schülerin geht im August für ein Jahr nach Deutschland. Ich hoffe, sie hat weniger Probleme und durch den Konversationskurs auch eine bessere Basis. Sie fürchtet sich übrigens ziemlich vor dem Dialekt in Südwestdeutschland, wo sie hinkommt. Hihi..so habe ich ihr ein Buch darüber ausgeliehen. Das liest sie jetzt seeehr intensiv :D

Im Unterricht sollte einfach mehr auf das aktive Sprechen geachtet werden, das macht furchtbar viel aus. Meine Schüler bedauerten das auch sehr, aber so ist eben der Lehrplan. Ein erster Schritt sind die Konversationskurse, die in manchen Schulen angeboten werden. Ich selber unterrichte dort Deutsch und Kurse gibt es in Englisch, Französisch und Schwedisch.
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Kathi » 31. Mai 2005 17:32

@Naali: Sind denn dann auch die Sprachlehrbücher anders aufgebaut als bei uns? Soweit ich mich erinnern kann, ging es im Unterricht ja immer erst mit kleinen Gesprächen los (so nach dem Motto: Wie heißt du, wie alt bist du, woher kommst du...), also eigentlich schon Alltagssituationen. Texte kamen ja erst etwas später.
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Naali » 31. Mai 2005 20:21

Die Lehrbücher sind eigentlich mit denen in Deutschland zu vergleichen. Besonders sind sie nicht. Sich vorstellen konnten meine Schüler schon, aber sie hatten mit dem Ausführlicheren etwas Probleme, teilweise war es eben auch so, dass sie über die gramatikalische Korrektheit zu lange nachgedacht haben und sie deswegen etwas länger gebraucht haben. Bzw sie wußten nicht genau, ob das Gesagte jetzt gut klingt oder nicht. Dabei sind fehler ja nicht schlimm und ein paar spielerische Übungen wären klasse um etwas Sprachgefühl zu bekommen. Interessiert waren nämlich alle und sogar in den Sommerferien wollen sie meinen Unterricht fortgesetzt haben :) Gehört zwar dann nicht mehr zum offiziellen Unterricht, aber zur Konversation treffen wir uns dann im Eiscafé :)
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Svea » 31. Mai 2005 20:39

Mmmh...ist ja toll, dass du die so motivieren kannst :) :D ..ich könnte das nicht :D !

Zu den Lehrbüchern: Ich finde ehrlich gesagt das, was an deutschsprachigen Fremdsprachenlehrwerken für die gängigen Sprachen rauskommt (nicht Finnisch oder Exotensprachen ;) ), echt klasse. Ich hatte als Englischbuch Green Line und ich liiiiebe es...ich fand die Geschichten so toll :] .
Und als Französischbuch hatte ich "Découvertes- études francaises", welches ich ebenfalls sehr ansprechend fand.
Ich finde was die Lehrbücher an Schulen in Deutschland anbetrifft, kann man sich nicht beklagen. Ich fand eigentlich auch immer die Mathe-, Politik- und Deutschbücher total gut...(zumindest so verständlich, dass man sich ohne Lehrer alles nochmal erklären kann) :) (also schon besser als "nicht besonders").


Als ich mal in Frankreich zum Austausch war, habe ich auch an einer Deutschunterrichtsstunde teilgenommen. Ich sage nur: Katastrophe. Das Buch, was die hatten war sooo langweilig. Die Texte lasen sich ungefähr so:"Peter sitzt auf einer Bank im Garten. Unter der Bank liegt die Katze. Der Hund ist im Haus. Er bellt. Er möchte auch in den Garten....usw." Jede Seite des Buches sah ähnlich aus und alle waren sooooo demotiviert...
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Naali » 31. Mai 2005 21:10

Als ich September letzten Jahres anfing, konnte ich das auch nicht..die erste Stunde lief ziemlich miserabel und eigentlich wußte ich gar nicht was ich tun sollte. Ich habe zwar mehrere Jahre mit Kids und Jugendlichen gearbeitet..aber das war in der Medizin. Aber nach und nach ging es dann..ich kannte meine Schüler und sie kannten mich. Mit einigen habe ich mich zum Beispiel dann im Winter zum Schlittschuhlaufen getroffen. War echt klasse :)

Die "Green Line" Bände hatte ich auch und erinnere mich auch heute noch gerne an die Bücher :) Wirklich gut gemacht und sehr interessant. Man hat richtig gerne gelernt. Als erste Fremdsprache habe ich Latein gehabt. Wir hatten die "Ostia" Bände..anfangs sehr interessant und auch für junge Kinder geeignet, denn es geht bei den Texten um das Alltagsleben der Römer. Später waren sie aber ziemlich langweilig und trocken. So wie der Unterricht auch.
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Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Kathi » 31. Mai 2005 21:44

Latein ist ja an sich schon anders als die andern Sprachen, weil man halt nicht lernt, sich zu unterhalten, sondern Texte zu übersetzen. Aber ich fand es trotzdem ganz gut. Wir hatten auch Latein als erste Fremdsprache, wir haben aber das Buch "Roma B1 bzw B2" benutzt. Unser Lehrer war zwar furchtbar streng, aber auch irgendwie witzig. Wenn er sich über irgendwas aufgeregt hat, hat er mit den Armen gefuchtelt, sich die Haare gerauft und irgendwelche Sprüche losgelassen.
Ich war trotzdem froh, als ich es nicht mehr hatte. Eine Freundin von mir studiert jetzt Latein. Das könnte ich nicht, wäre mir zu langweilig.
Zuletzt geändert von Kathi am 1. Jun 2005 18:46, insgesamt 1-mal geändert.
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