Finnisches Schulsystem

Seit PISA blickt alles nach Finnland. Hat das Land ausser guten Schülern, Handys und Nokia sonst noch etwas zu bieten?

Moderatoren: Peter, Sapmi

Benutzeravatar
Kathi
FiFo-Treffen Renner
Beiträge: 1764
Registriert: 21. Mär 2005 16:55
Wohnort: Oulu

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Kathi » 6. Jun 2005 12:41

@Sanna: Ich habe aber u.a. auch deswegen so wenig Schuhe, weil ich nicht so viel Geld habe. :D Man setzt dann halt Prioritäten. (Obwohl ich auch Studenten mit der Priorität Schuhe und Klamotten kenne ;) )
Nur ein Genie beherrscht das Chaos!
Bild

Benutzeravatar
Kathi
FiFo-Treffen Renner
Beiträge: 1764
Registriert: 21. Mär 2005 16:55
Wohnort: Oulu

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Kathi » 6. Jun 2005 13:59

Meine auch. Gerade wenn man ein Land wie Finnland ausgesucht hat, ist der Urlaub meist teurer und man muss mehr sparen. Unser Nachbar war z.B. für 150 Euro eine Woche in der Türkei, in nem tollen Hotel, all inclusive usw. Aber ich möchte nun mal nicht in die Türkei, sondern lieber nach Finnland.
Nur ein Genie beherrscht das Chaos!
Bild

Benutzeravatar
Svea
FiFo-Treffen Renner
Beiträge: 1533
Registriert: 23. Mär 2005 10:43
Wohnort: Danmark

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Svea » 6. Jun 2005 15:01

Ganz genauso sehe ich das auch :) . Eigentlich spare ich unentwegs immer auf die nächste Reise nach Norden. Deshalb gebe ich auch nur wenig Geld für Sachen aus, die nicht unbedingt sein müssen aus. Mir sind die Erinnerungen, Eindrücke und Bilder einfach mehr wert als wenn ich den Kleiderschrank ständig voller neuer Sachen hätte.

...mmmh..irgendwie reden wir im Moment gar nicht mehr über das finnische Schulsystem...Vielleicht sollten wir uns in den Offtopic Bereich unter einem anderen Thema zurückziehen :D ?!
Bild

Benutzeravatar
Kathi
FiFo-Treffen Renner
Beiträge: 1764
Registriert: 21. Mär 2005 16:55
Wohnort: Oulu

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Kathi » 6. Jun 2005 19:46

Man lässt sich so leicht ablenken...
Nur ein Genie beherrscht das Chaos!
Bild

Benutzeravatar
Klaus
Kela Überlebender
Beiträge: 2413
Registriert: 29. Mär 2005 12:43
Wohnort: Oostfreesland

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Klaus » 16. Jun 2005 20:28

Ja, ja, die schönsten Wochen im Jahr! Das ganze Jahr sparen, wo es geht. Was nicht sein muss, wird nicht gekauft. Das sehe ich auch so. Dafür gehts dann im Sommer wieder für ein paar Wochen hoch in den Norden, egal ob Norwegen, Schweden oder Finnland, alle Länder sind für sich schön.
Många bäckar små, blir en stor å.

Die Politiker von heute machen Politik nur für einen Tag. Und der Tag war gestern. (Dieter Hildebrandt)

Benutzeravatar
Kathi
FiFo-Treffen Renner
Beiträge: 1764
Registriert: 21. Mär 2005 16:55
Wohnort: Oulu

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Kathi » 16. Jun 2005 20:32

Stimmt im Prinzip schon. Obwohl ich mir doch z.B. heute ein Eis gekauft habe. :D
Prioritäten *gg*, Finnland und Eis.
Zuletzt geändert von Kathi am 16. Jun 2005 20:33, insgesamt 1-mal geändert.
Nur ein Genie beherrscht das Chaos!
Bild

Benutzeravatar
Klaus
Kela Überlebender
Beiträge: 2413
Registriert: 29. Mär 2005 12:43
Wohnort: Oostfreesland

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Klaus » 16. Jun 2005 21:00

Mmm, jaa, das habe ich mir kürzlich auch wieder gegönnt. Das muss doch sein bei so einem Wetter! 8)

Um mal zurück zum Thema zu kommen :D , sehr interessant finde ich ja das Schulsystem auf den zu Finnland gehörenden Inselreich Åland. Das Schulsystem untersteht der Landschaftsregierung Åland, die also auch den Lehrplan festsetzen kann. Die Schüler auf Åland werden in Schwedisch unterrichtet (Åland ist einsprachig Schwedisch), lernen als Pflichtfremdsprache Englisch und können als zusätzliche Fremdsprachen u. a. Finnisch und Deutsch wählen. Interessant ist ja, dass keine auf Åland Finnisch lernen muss. Wenn man das nicht Erhalt der schwedischen Kultur nennen kann. Allerdings lernt die Mehrheit der åländischen Schüler Finnisch in der Schule. Immerhin ist es die Sprache des Nachbarlandes, wie es hier gesehen wird. Ein bißchen Finnisch können ziemlich viele, richtig gut können es dagegen nur sehr wenige.


Vielleicht noch eine kurze Abschweifung von Thema für die, die es noch nicht wissen, wie es zu der åländischen Autonomie kam:

Ausgangspunkt war 1917 die Unabhängigkeitserklärung Ålands gegenüber dem zusammenbrechenden russischen Zarenreich. Man wollte zurück nach Schweden, dahin, wo man eigentlich schon immer hingehörte. Eine Delegation von Åland überreichte dem schwedsichen König eine Unterschriftenaktion, bei der eine überwältigende Mehrheit der åländischen Bevölkerung von 98% für die Wiedervereinigung mit Schweden war. Drei Monate später erklärte Finnland ebenfalls seine Unabhängigkeit gegenüber Russland und wollte Åland nun nicht an Schweden abgeben. Sie boten Åland eine Autonomie innerhalb Finnlands an. Dies akzeptierten die Insulaner natürlich nicht und so landete der Streit zwischen Finnland und Åland auf dem Tisch des gerade erst gegründeten Völkerbundes (heute UN). Dieser entschied, dass Finnland Åland die angebotene Autonomie übertragen muss, zusätzlich gegenüber Schweden versichern muss, dass die schwedische Kultur und Sprache auf den Inseln gewahrt und gepflegt wird. Ebenso wurde hier die Demilitärisierung Ålands festgelegt, sodass Åland weder für Schweden noch für Finnland wieder eine Gefahr werden könnte. Der Vertrag wurde von den Mitgliedern des Völkerbundes, Finnland, Åland und Schweden unterschrieben und ist heute Bestandteil der EU-Verträge von Finnland. Åland hat also eine international anerkannte und geschützte Autonomie und ist im Grunde ein selbstständiger Staat innerhalb der Republik Finnland. Nur die Außen- und Sicherheitspolitik wird in Abstimmung mit den Åländern von Finnland übernommen. So tritt auf Åland kein Gesetz in Kraft, was nicht vom Lagting (dem åländischen Parlament) abgesegnet worden ist.
Många bäckar små, blir en stor å.

Die Politiker von heute machen Politik nur für einen Tag. Und der Tag war gestern. (Dieter Hildebrandt)

Andrea
Landkartengucker
Beiträge: 42
Registriert: 25. Mai 2005 21:21
Wohnort: [VERBORGEN]
Kontaktdaten:

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Andrea » 31. Aug 2005 23:06

in D. wird ja Finland als das superVorbild in Sachen Schule angesehen.
wie sehen das die Finnen eigentlich selber ? Als Schüler fand ich den nachmittagsuntericht immer sehr doof. jetzt wird er hier als die lösung aller Probleme angepriesen. Ist der nachmittagsunterricht nicht auch ein bisschen wegen den längeren Schulwegen in Finland ?
[VERBORGEN]

Naali
Kela Überlebender
Beiträge: 3535
Registriert: 21. Mär 2005 15:20
Wohnort: CH-Schwändi/GL

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Naali » 1. Sep 2005 07:59

Längere Schulwege kann man so eigentlich nicht sagen. Natürlich gibt es auch Kinder, die in abgelegteren Dörfern wohnen, aber zumindest zur Peruskoulu (Pflichtschule) ist es nicht so weit. Wieviel man an Nachmittagsunterricht hat, ist je nach Schule und Alter unterschiedlich. In den unteren Klassen hat man keinen Nachmittagsunterricht, in den mittleren auch nicht so oft und auch im Lukio (gymn. Oberstufe) ist es nicht jeden Tag. Im Lukio zum Beispiel wählt man selbstständig seine Kurse, die man dann besucht, ein straffes System gibt es nicht. So kann man auch die Geschwindigkeit selber wählen und die gymn. Oberstufe in zwei, in drei oder in vier Jahren machen.
In der Schule gibt es auch sehr viele Freizeitmöglichkeiten wie AG´s, die man nach der Schule nachmittags machen kann.
Insgesamt wird hier ziemlich wenig über das Schulsystem und Pisa gesprochen.
BildBild

Villiruusu
Linie 3T-Fahrer
Beiträge: 134
Registriert: 1. Jul 2005 11:33
Wohnort: Berlin (Tampere)
Kontaktdaten:

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Villiruusu » 1. Sep 2005 11:45

In Finnland ist es ja schon seit 50er oder 60er Jahren üblich, dass die Kinder dort um sonst Mittagessen bekommen. Deswegen können die Schultage auch dann etwas länger sein, da die Kinder sicher was zu essen bekommen und nicht zwischendurch nach Hause müssen. Aber die wöchentliche Stundenzahl hängt auch mit dem Alter der Schüler zusammen, so wie Naali schon geschrieben hat. Und manchmal fangen die Schultage auch später an, also an solchen Tagen bleibt man dann etwas länger da. Aber bei der neunjährigen Grundschule erinnere ich mich nicht, dass wie länger als bis 16 Uhr hätten da bleiben müssen. Bei der gymnasialen Oberstufe kann es auch noch anders kommen, weil man da die Kurse praktisch selber aussucht, und einige könnten dann auch noch später stattfinden, ähnlich wie an der Uni.

Es ist glaube ich gesetzlich festgesetzt, wie weit der Schulweg in welchem Alter sein (bzw. dauern) darf. Ist der Weg zu weit um zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu fahren, organisiert die Stadt/Ort einen Bus/Taxi für diese Schüler. Ich glaube als ich Kind war, war diese Grenze 5 Kilometer oder sowas. Ich hatte immer ca. 2-3 Kilometer Schulweg, und anstrengend war es nur im Winter bei über -20 Grad, falls uns dann niemand zur Schule fahren konnte.. Einmal war es so kalt, dass die Autos nicht mal angesprungen sind, aber zur Schule mussten wir trotzdem :(

Extrem weite Schulwege sind hauptsächlich nur in Lappland, wo auch mal teils die Unterricht als Fernstudium organisiert wurde (habe mal so einen Bericht gesehen). Das ist natürlich mit den ganz Kleinen nicht möglich.. :)
[VERBORGEN]

Benutzeravatar
Hans
Salmiakki Resistenter
Beiträge: 4814
Registriert: 28. Mär 2005 19:43
Wohnort: Nord-Holland-Nord / Niederlande

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Hans » 15. Sep 2005 14:16

"Man muss dort sein, um es zu begreifen"
Lehrer, die helfen statt zu nörgeln - die deutsche Schülerin Tatjana Budziarek ist beeindruckt von der finnischen Schule
taz: Tatjana, du warst zehn Monate in einer finnischen Schule. Was ist anders in den finnischen Schulen, die bei Pisa 2003 ja wieder ganz vorne waren?

Tatjana Budziarek: Mich hat am meisten das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern beeindruckt. Das ist so anders als hier.

Was meinst du damit?

Es ist freundschaftlicher. Lehrer werden geduzt und mit dem Vornamen angesprochen. Gut, das kommt schon durch die Sprache. Aber sie haben auch eine andere, entspanntere Haltung den Schülern gegenüber. Ich habe in Tampere zum Beispiel nie erlebt, dass ein Lehrer einen Schüler dumm angemacht hat - wegen schlechten Arbeitens etwa. Grundsätzlich können Schüler in Finnland viel mehr Entscheidungen treffen. Alles ist nicht so verbissen streng.

Kuschelpädagogik nennen das hier viele.

Nö, das trifft's gar nicht. Lehrer haben sehr wohl Autorität. Sie werden mit Respekt behandelt. Ich glaube, die verstehen ihre Rolle anders, als es hier in Deutschland meistens üblich ist. Finnische Lehrer sehen sich als Begleiter in der Schullaufbahn, nicht nur als Stoffvermittler.

Also kein Frontalunterricht?

Doch, das gibt es sehr wohl. Wie in Deutschland. So, wie man sich das vorstellt. Aber halt nicht so oft. Es wird viel öfter die Methode gewechselt. Eigenständiges Lernen spielt die Hauptrolle im finnischen System.

Aber es gibt doch auch Stoffe, die zu vermitteln sind, einen Lehrplan.

Der Lehrplan in Finnland ist auf den Einzelnen bezogen. Die Lehrer gestalten den Lehrplan sozusagen individuell für jeden Schüler. Die machen sich ziemlich viel Arbeit damit. Ich hatte den Eindruck: Die Lehrmethoden richten sich viel mehr nach den Schülern als hier.

Was passiert mit den Schülern, die nicht mitkommen?

Die können nach der Schule, manchmal auch parallel, in kleineren Gruppen extra gefördert werden. Bezahlten Nachhilfeunterricht wie in hier Deutschland gibt es da gar nicht.

Warum bist du nach Finnland gegangen?

Ich wollte schon immer mal ins Ausland gehen. Aber ich wollte nicht das Gleiche wie die anderen machen. Und da ich ein bisschen Finnisch konnte, bin ich da hin. Es ging aber auch um Schule. Auf meiner alten Schule waren die Lehrer viel zu nachtragend. Ich hatte das Gefühl, die verfahren nach der Methode: einmal verkackt, immer verkackt. In Tampere war ich auf dem Messukylän lukio, einer gymnasialen Oberstufe mit Schwerpunkt Journalismus. Ich fand es echt super. Ich glaube, mir hat einfach alles besser gefallen als hier.

Und jetzt?

Ich versuche einen komplett neuen Anfang in einer anderen Schule hier. Ich will mein Abi ohne die Vorurteile meiner alten Lehrer machen.

Wie läuft es?

Es ist noch zu früh, um das sagen zu können. Ich bin erst ein paar Wochen da.

Wie denkst du im Nachhinein über deinen Schultrip nach Finnland?

Dass es sich wirklich gelohnt hat. Und dass ich wieder hinwill. Nach den Sommerferien schreibe ich mich an der Uni als Gasthörer ein. Dann noch zwei Jahre Schule, und ich kann in Finnland studieren. Klingt verrückt, aber man muss dort gewesen sein, um es zu begreifen.

INTERVIEW: CHRISTIAN FÜLLER

taz Nr. 7720 vom 20.7.2005, Seite 18, 108 Zeilen (Interview), CHRISTIANFÜLLER
Terugkomen is niet hetzelfde als blijven (Unbekannt)

Benutzeravatar
Klaus
Kela Überlebender
Beiträge: 2413
Registriert: 29. Mär 2005 12:43
Wohnort: Oostfreesland

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Klaus » 15. Sep 2005 15:10

In Finnland, ja in ganz Skandinavien, geht es insgesamt ja freundschaftlicher zu. Die Lehrer werden überall mit "du" angesprochen und sie stehen mehr oder weniger auf einer Stufe. Ebenso sieht es nachher bei der Arbeit aus. Der Chef ist auch ein ganz normaler Arbeitskollege, wie die Putzfrau.

Hier in Deutschland geht alles nach der Hierarchie. Der Lehrer ist der Boss und bestimmt. In den Firmen ist es ja nicht anders. Die Putzfrau wird am wenigsten akzeptiert. Das finde ich unmöglich, aber das hat sich bei den Deutschen so eingebläut, dass es so sein muss. Das kriegt man hier nicht so schnell aus der Gesellschaft raus.
Många bäckar små, blir en stor å.

Die Politiker von heute machen Politik nur für einen Tag. Und der Tag war gestern. (Dieter Hildebrandt)

Benutzeravatar
Hans
Salmiakki Resistenter
Beiträge: 4814
Registriert: 28. Mär 2005 19:43
Wohnort: Nord-Holland-Nord / Niederlande

Re: Finnisches Schulsystem

Beitrag von Hans » 6. Okt 2005 17:26

Naali schrieb am 19.05.2005 19:04
Die Merkmale der Fachochschule:
* Aufnahmebedingung ist der Abschluss einer beruflichen Erstausbildung oder des Abiturs
... gilt das mittlerweile auch für Berufsausbildungen die nicht in Finnland absolviert wurden, bzw. Nichtfinnen / Nichtskandinavier ?
Terugkomen is niet hetzelfde als blijven (Unbekannt)

Antworten

Zurück zu „Bildung und Forschung“