Åland und Finnland

Ein Inselgewirr wie aus Tausend und einer Nacht: Landfetzen, Wasserzungen, Bäume im Meer, rauhes Urgestein, Blau so weit das Auge reicht. Ein wunderbares Chaos aus Wasser und Land!

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Risto » 22. Nov 2006 13:02

Es geht hier nicht darum, dass man finnischer Staatsbürger sein müsste, um sich für Åland oder andere Gebiete Finnlands interessieren zu können beziehungsweise dürfen. Es geht um die Art und Weise, auf der man seine persönliche Anschauung ausdrückt samt darum, wie weit man als Ausländer, der nicht mal Staatsbürger ist, bereit ist zu gehen, um die eigene Anschauung für eine allgemeingültige Haltung eines ganzen, im fremden Land lebenden Volkes zu erklären. Erstens wäre es doch sachlich zu erkennen, dass man eben über eine persönliche Anschauung redet. Zweitens wäre die ganze Atmosphäre in der Diskussion angenehmer, wenn die Art, in der jemand schreibt, konstruktiv anstatt provokativ wäre. Ein neuliches Beispiel über eine Anspielung, die ich für etwas provokativ empfand, war folgendes im Eintrag "Nach der Elchjagd folgt die Bärenjagd" im "Nachrichten aus Åland": "Jetzt wandern sogar schon die åländischen Tiere nach Schweden aus."

Was mir zu der Feststellung führt, dass Åländer sich in erster Linie für Åländer und in zweiter Linie (ich hatte "in zweiter Linie" bereits im vorigen Eintrag geschrieben) für Finnen fühlen, sind die Aussagen mehrerer Åländer. Dieses Theorem ist mir damit erklärt worden, dass Åländer finnische Pässe beziehungsweise Wahlrecht in Finnland haben. Es sei so, dass die de facto Verbindungen häufig enger zu Schweden sind, aber da die de jure Verbindungen unumgänglich enger zu Finnland sind, sei es mehr oder weniger selbstverständlich, dass sich Åländer für keine Schweden fühlen, sondern eben in erster Linie für Åländer und in zweiter Linie für (åländische) Finnen. Die Åländer, die ich kenne, sind übrigens nicht aus Finnland nach Åland ausgewandert, sondern auf Åland geboren. Zwei von ihnen hatten wegen zu langes Aufenthalts auf dem finnischen Festland den Hembygdsrätt verloren, weshalb sie als Wehrpflichtige klassifiziert wurden und haben mit mir in der gleichen Stube in der Pionierkompanie von NylBr während des Wehrdiensts gewohnt. Meine drei anderen åländischen Bekannten habe ich im Studium kennengelernt.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 22. Nov 2006 19:01

Wenn man diskutieren will, dann vernünftig, aber ich glaube nicht, dass ich mir vorwerfen lassen muss, ich hätte als Deutscher keine Ahnung von der åländisch - finnischen Beziehung und würde alles unrealistisch darstellen oder schlecht reden.

Noch vor kurzem hast du das schlechte Verhältnis zwischen Åland und Finnland NICHT geleugnet, dass mal kurz zur Erinnerung zu deiner plötzlichen 180° Drehung.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Risto » 22. Nov 2006 19:54

Ich habe keine 180 Grad Drehung gemacht, sondern das Thema aus zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet, und zwar aus der politischen Ebene einerseits und aus der untersten Ebene andererseits. Dass die Beziehungen auf der politischen Ebene schlecht sind, habe ich anfangs gemeint und das meine ich immernoch, aber dass die Beziehungen zwischen Finnen und Åländer auch auf der untersten Ebene so schlecht wären, wie man von deinen Beiträgen glauben könnte, ist von meinen persönlichen Erfahrungen nie wirklich bestätigt worden. Dies habe ich lediglich gemeint. Als ich anfangs behauptet habe, dass Åländer Finnen gegenüber negativer eingestellt wären als Finnen Åländer gegenüber, habe ich eben åländische Politiker und die åländische Politik im Verhältnis zu Finnland gemeint. Ich habe mich aber vage ausgedrückt, da ich dies nicht explizit erwähnte.

Wer hat gesagt, dass du von der Beziehung zwischen Finnen und Åländer keine Ahnung hättest? Ich habe lediglich in Frage gestellt, ob es glaubwürdig sei, dass du als in Deutschland lebender Deutsche über diese Beziehung bessere Kenntnisse hättest, als Finnen und Åländer selber. Des Weiteren muss betont werden, dass keiner behauptet hat, dass du alles unrealistisch darstellen oder schlecht reden würdest.

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 26. Nov 2006 01:11

Im folgenden Abschnitt aus einem Zeitungsartikel aus der åländischen Tageszeitung von Freitag über die aktuelle Sprachdebatte auf Åland wird die derzeitige Situation eindeutig beschrieben.
Den stora majoriteten ålänningar lever fortfarande sina liv på svenska, med mycket få kontakter med finskan. Inte ens som journalist behöver man befatta sig med språket annat än i mycket begränsad omfattning. Snarast kan man säga att Åland i dag är betydligt mer präglat av och riktat mot Sverige än det var för 20-30 år sedan. Kulturellt, populärkulturellt, genom tv och massmedier är vi på Åland ibland svenskare än svenskarna, medan våra kunskaper om det finska och det finlandssvenska Finland blivit sämre.

Ur den synvinkeln kan man säga att avståndet gentemot Finland har ökat, dels genom att självstyrelsen stärkts och emanciperats, dels genom att kunskaperna och de personliga kontakterna över Skiftet blivit sämre då färre ungdomar i dag väljer att studera i Finland.
Die große Mehrheit der Åländer lebt immer noch ihr Leben auf Schwedisch, mit sehr wenigen Kontakten zum Finnischen. Nicht einmal als Journalist braucht man sich mit der Sprache mehr zu befassen als in einem sehr begrenzten Umfang. Eigentlich kann man sagen, dass Åland heute bedeutend mehr von Schweden geprägt ist und dorthin ausgerichtet ist als vor 20-30 Jahren. Kulturell, Populärkulturell, durch Fernsehen und Massenmedien, sind wir auf Åland manchmal Schwedischer als die Schweden, während unsere Kenntnisse über das finnische und finnlandschwedische Finnland immer weniger werden.

Aus diesem Blickwinkel kann man sagen, dass der Abstand nach Finnland größer geworden ist, teils dadurch, dass die Autonomie ausgebaut und emancipiziert worden ist, teils dadurch, dass die Kenntnisse und persönlichen Kontakte über das Skiftet [Anm.: Das Skriftet ist die Grenze nach Finnland] weniger geworden sind, weil weniger Jugendliche sich heute dazu entscheiden, in Finnland zu studieren.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Risto » 26. Nov 2006 14:09

Der Artikel bestätigt das, was ich in einem früheren Beitrag geschrieben habe, und zwar dass die de facto Verbindungen häufig enger zu Schweden seien. Eindeutig wird die Situation insofern aber nicht beschrieben, dass der Artikel sich mit dem gewachsenen Abstand zwischen Finnland und Åland befasst ohne eine Stellung dazu zu nehmen, ob und inwiefern die persönlichen Kontakte zwischen Åländer und Finnen auch schlechter geworden wären. Er bestätigt nur, dass sie zu ihrer Anzahl weniger geworden seien. Dies ist höchst wahrscheinlich mit ganz praktischen Aspekten verbunden. In Schweden kommen Åländer sprachlich gesehen einfach besser aus und dasselbe gilt übrigens auch für Finnlandschweden aus Österbotten. Diese Situation bestätigt aber weder das Eine noch das Andere über die Qualität der Beziehungen zwischen Finnen und Åländer auf der untersten Ebene, sondern nur etwas über ihre Quantität. Zweitens kann man daraus keine solche Schlüsse ziehen, dass sie eine Lust zu einem Anschluss an Schweden bestätigen würde.

Dass die Åländer schwedischer als Schweden seien, ist heutzutage kein schwer erreichtes Ziel, da ein erheblicher Anteil der Einwohner in fast allen Gemeinden Schwedens ausländischer Herkunft sind. Auch in Finnland gibt es Gemeinden, die als überdurchschnittlich schwedisch im Verhältnis zu den Gemeinden Schwedens gelten. Ein gutes Beispiel ist die österbottnische Korsnäs, wo über 96 % der Einwohner schwedische Muttersprachler sind (http://www.korsnas.fi/default.asp?id=uxrdp19ed97). Vor einigen Jahren wurde hier bei uns auch ein Dokumentarprogramm namens "Världens svenskaste kommun" übertragen, wo eben diese Korsnäs präsentiert wurde. Im Jahre 2001 waren nämlich über 98 % der Einwohner von Korsnäs schwedische Muttersprachler, weshalb die Gemeinde ganz offiziell als die meist schwedische Gemeinde der Welt klassifiziert wurde.

Zur Schwedischheit Schwedens muss auch gesagt werden, dass die grösste einheitliche Minderheit dort von Finnen ausgemacht wird und als EU-Bürger dürfen Finnen weiterhin unbegrenzt nach Schweden auswandern. Sollte Åland an Schweden angeschlossen werden, wäre es nur eine Frage der Zeit, wann die Hembygdsrätt abgeschafft würde. Anschliessend könnten Finnen unbegrenzt auch nach Åland auswandern. Man sollte sich deshalb fragen, ob die schwedische Sprache auf Åland besser geschützt ist, wenn Åland zu Finnland gehört und es dort ein Hembygdsrätt herrscht (um die zu erhalten man Schwedisch beherrschen muss), oder wenn Åland zu Schweden ohne die Existenz einer Hembygdsrätt gehören würde (und Finnen dort Grundstücke kaufen und Erwerbstätigkeit ohne die geringsten Schwedischkenntnisse ausüben dürften, wie im übrigen Schweden)? Beide Alternativen haben sicherlich ihre Vor- und Nachteile, aber die Situation ist komplex und keinesfalls so eindeutig, wie du in deinem Beitrag zu verstehen gibst. Mindestens nicht, wenn man die Entwicklung auf lange Sicht betrachtet - und eben das scheinen die meisten Åländer zu tun, da ja angeblich nur 25 % von ihnen von Finnland abgetrennt werden möchten.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 5. Dez 2006 18:12

Am 6. Dezember ist Feiertag in Finnland, Nationalfeiertag, Unabhängigkeitstag. Zum 89. Male jährt sich der Tag, an dem Finnland aus der Taufe gehoben wurde. Das wird in Finnland festlich begangen. Nicht so auf den autonomen Inseln im Südwesten, auf Åland. Als die Republik Finnland am 6. Dezember 1917 gegründet wurde, war Åland nicht dabei, man wollte "heim ins Mutterland" - nach Schweden. 1922 entschied der Völkerbund dagegen, Åland musste nach Finnland und seitdem begehen die Insulaner am 6. Dezember einen Nationalfeiertag, mit dem sie eigentlich überhaupt nichts zu tun haben. Vor 2 Jahren flammte die Diskussion auf, den finnischen Nationalfeiertag ganz zu streichen - auf Åland - und stattdessen den åländischen Nationalfeiertag, den 9. Juni, als freien Tag festzulegen. Am 9. Juni schließt ohnehin schon ein Großteil der åländischen Firmen, alle Ämter und die Schulen sind geschlossen.

Auf Åland ist der finnische Nationalfeiertag noch nie richtig gefeiert worden, seit die Inseln 1922 offiziell der Republik Finnland angegliedert wurden. Die Åländer waren schon immer auf den 9. Juni ausgerichtet, der in der Bevölkerung als "ihr" Nationalfeiertag anerkannt ist. Und so wird der finnische Nationalfeiertag am 6. Dezember als willkommener freier Tag vor Weihnachten angesehen, an dem man gut einen Ausflug nach Schweden machen kann um dort die vorweihnachtlichen Einkäufe zu erledigen. Und in der Tat sind die Fähren von Viking Line und Eckerö Linjen am 6. Dezember schon Wochen im Voraus Morgens in Richtung Schweden und Abends in Richtung Åland bis auf den letzten Platz ausgebucht.

Ålands Radio hat in den letzten Tagen eine Umfrage unter den Åländern gemacht, bei denen folgende Ergebnisse herauskamen:

Feierst du den finnischen Unabhängigkeitstag?
Ja --------------------------------------------------------------- 35%
Nein, ich schau mir Abends nur den Präsidentenball an -------------- 23%
Nein, ich fahre zum Einkaufen nach Schweden ---------------------- 42%
(181 Personen haben abgestimmt)

Bei der gleichen Umfrage von Ålandstidningen kamen folgende Werte heraus:

Feierst du den finnischen Unabhängigkeitstag?
Ja -------- 28%
Nein ------ 72%
(683 Personen haben abgestimmt)
Zuletzt geändert von Klaus am 5. Dez 2006 18:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 19. Dez 2006 18:08

Åland ist eine besondere Region, landschaftlich, aber auch politisch. Das weiß man nicht nur in Skandinavien. Politiker aus aller Welt kommen nach Åland, um sich das Selbstverwaltungsmodell anzuschauen und sich von der Lage vor Ort ein Bild zu machen.

Politiker und Botschafter aus Israel, Tansania, der Ukraine und so manch anderer Länder waren bereits zu Gast auf Åland. Nicht nur, um die herrliche Landschaft kennen zu lernen, sondern vor allem, um sich von dem Selbstverwaltungsmodell ein Bild zu machen. In Israel könnte man so ein System auf die Palästinenser übertragen, in Tansania arbeitet man an einem Selbstverwaltungsgesetz für die Inselgruppe Sansibar und in der Ukraine will sich die Halbinsel Krim vom Staat loslösen. Nicht nur für diese 3 Länder ist das älteste Selbstverwaltungmodell der Welt ein Vorbild.

Auch die UN erinnert sich wieder an das Werk ihres Vorgängers, dem Völkerbund. Im Kosovo nämlich gibt es weiterhin Spannungen zwischen den Serben, die den Kosovo als normale serbische Region behalten wollen, und den Kosovaren, deren Ziel ein unabhängiger Kosovo ist. Die Situation ähnelt der auf Åland, mit dem Unterschied, dass Åland die Inseln des Friedens sind und der Kosovo der Berg des Krieges ist. Auf dem Balkan sind die Unterschiede zwischen Kosovaren und Serben aber noch größer als zwischen Åländern und Finnen. Während die Unterschiede zwischen Åländern und Finnen "nur" unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Mentalitäten sind, kommen zwischen den Kosovaren und Serben zusätzlich noch unterschiedliche Religionen und unterschiedliche Ausbildungsstände hinzu. Die Kluft zwischen den beiden Landesteilen ist tief und schwer zu überbrücken.

Bevor auch der Kosovo in die Unabhängigkeit geht, will die UN zunächst versuchen, ein Autonomiemodell für den Kosovo zu entwerfen - nach åländischem Vorbild.
Zuletzt geändert von Klaus am 19. Dez 2006 18:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 9. Jan 2007 21:50

Auf Åland ist derzeit die Einführung der schwedischen Zeit wieder ein aktuelles Thema. Die Optimisten hoffen, dass im März die Uhren auf Åland erst gar nicht mehr vorgestellt werden, und man damit die zentraleuropäische Zeit (CET) übernimmt. Andere glauben eher, dass, wenn es dieses Mal soweit kommt, im Herbst die Uhren um 2 Stunden zurückgestellt werden. Åland sieht sich in einer Reihe von Ländern mit der osteuropäischen Zeit (EET) fehl am Platze, weil man auf Åland nach Westen und insbesondere nach Schweden ausgerichtet ist und damit im Grunde ständig mit der schwedischen Zeit konfrontiert wird. Auch kommen die meisten Touristen aus Schweden und der zentraleuropäischen Zeitzone.

Die Åländer sind entschlossen, jetzt endlich die schwedische Zeit einzuführen. Bereits 1925 gab es erste Überlegungen, auf die schwedische Zeitrechnung umzustellen. Neben den reinen geografischen Gründen, dass Åland geografisch in der zentraleuropäischen Zeitzone (CET) liegt, werden viele praktische Gründe angeführt, die das alltägliche Leben auf Åland beeinflussen. So laufen die Sendungen im schwedischen Fernsehen auf Åland auf Grund der Zugehörigkeit zur osteuropäischen Zeitzone bisher immer eine Stunde später, wenn also im SVT eine Sendung um 23:15 Uhr zu Ende ist, ist es auf Åland bereits 00:15 Uhr. Mit der Zeitumstellung kämen die Kindersendungen auch auf Åland Abends zu "kindgerechten Zeiten". Nicht zuletzt wegen der westlichen Ausrichtung wird bei den Åländern aus rein praktischen Gründen die schwedische Zeit bevorzugt. Damit entfällt beim Reisen das lästige umstellen der Uhren. Von der schwedischen Zeit profitieren würde auch die åländische Wirtschaft, die dann in der gleichen Zeit rechnen würde wie Schweden und wichtige Städte, wie Stockholm, Brüssel, London oder Frankfurt.


Doch was wäre eine öffentliche Diskussion auf Åland, wenn nicht neben den praktischen Gründen auch Gründe zur weiteren Abspaltung von Finnland für die Umstellung angeführt würden:"Nicht, dass Åland mehr Schwedisch werden soll, sondern, vor allem, weniger Finnisch!" Solche oder ähnliche Ausführungen bekommt man auch hier und da auf der Straße zu hören.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 22. Jan 2007 17:26

Da wollte wohl jemand einen Streich spielen. :rolleyes:


Liste will Åland schwedisch machen

Auf der schwedischen Internetseite für Unterschriftenaktionen http://www.namninsamling.com liegt seit Mitte Januar für diejenigen eine Unterschriftenliste aus, die Åland wieder unter Schweden haben wollen.

Gestern befanden sich 45 Namen auf der Liste, die meisten sind aber offenbar erfunden. Nur der erste Unterzeichner ist finnischer Nationalität.

Übersetzt aus "Nya Åland"
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 19. Feb 2007 12:19

In Finnland gibt es ein Gesetz, dass besagt, dass Personen, die ein Auto auf dem Eis fahren dürfen, mindestens 15 Jahre alt sein müssen. Auf Åland gibt es keine Altersbeschränkung. Nur die Alkoholbegrenzung gilt auf Åland auch auf dem Eis. Ansonsten gibt es dort keine Verkehrsregeln. "Das einzige, was man braucht, ist ein Auto mit Versicherung. Selbstverständlich muss man auch auf dem Eis auf die anderen Eisverkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen und vorsichtig fahren", so Nina Rasmus von der Polizei in Mariehamn.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 20. Feb 2007 23:01

Peter Sjölund vom IFK Mariehamn ist heute zur Italienreise der finnischen Nationalmannschaft eingeladen worden. Damit ist er der erste åländische Nationalspieler, der für Finnland auflaufen wird. Sein ebenfalls eingeladener Bruder von Djurgården IF (Stockholm) lehnte die Einladung aus terminlichen Gründen ab. Am ersten März spielt die finnische Nationalmannschaft in Italien gegen den Serie A-Verein Siena.

Grund genug für die Åländer, nun mal einmal für Finnland zu sein, wo man doch sonst immer für Schweden ist. :)


Ålands Radio
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 7. Mär 2007 22:15

Eigentlich ist es so: Jeder hält zu dem Land, in dem er lebt. Doch von Åland kann man das nicht gerade behaupten, denn seit Menschen Gedenken halten die eigensinnigen Insulaner zu Schweden. Auch an Sportveranstaltungen, an denen es heißt: Finnland gegen Schweden. Nur, heute war alles etwas komplizierter als sonst.

Heute Abend spielten beim Algarve Cup in Portugal die finnischen Fußballfrauen gegen Schweden. An sich kein Problem, auch nicht für die Åländer. Denn kein richtiger Åländer würde auch nur eine Miene verziehen, wenn er gefragt werden würde, zu wem er hält. Die Antwort ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Schweden.

Doch das Problem war Folgendes: Die Åländerin Annica Sjölund von Åland United spielte in der Nationalmannschaft - und zwar in der Finnischen. Zu wem also halten? Zu Finnland? Zu Schweden? Auf jeden Fall aber zu Annica Sjölund! Keine Frage! Aber welcher Åländer würde zu Finnland halten? Und dann auch noch gegen Schweden? Wohl keiner. Das wäre für die stolzen Åländer Verrat ans Vaterland.

Darum gab es heute ein "Dreigespiel". Finnland gegen Schweden und mittendrin die Åländerin Annica Sjölund. Das Kuriose: Åland drückte Annica Sjölund die Daumen, war aber für Schweden. So etwas wird man wohl nur auf den nordischen Inseln zwischen 2 Staaten erleben. Gäbe es am Ende eine Siegesfeier, fände diese auf jeden Fall statt: Entweder für Schweden oder für Annica Sjölund.

Schließlich konnten die Ålander wie erwartet "ihren" Sieg feiern. Schweden gewann klar mit 3-0 (2-0). Annica Sjölund spielte ab Beginn, wurde aber in der zweiten Halbzeit ausgewechselt. Oft stand sie allein im Sturm, hatte wenig zu tun - die meiste Zeit fand das Spiel in der finnischen Hälfte statt. Und so fand dieses besondere Spiel einen fast gewöhnlichen Ausgang: Åland "feierte" den schwedischen den Sieg. Aber was war mit Annica Sjölund? Sie verlor mit Finnland und hatte dieses Mal nichts vom Sieg der Schweden. Das ist der Preis, den die Åländer zahlen müssen, wenn sie in der Nationalmannschaft spielen wollen. Man muss gegen "sein" Land spielen. Wie auch immer man es dreht, es ist die falsche Nationalmannschaft - jedenfalls aus åländischer Sicht.
Zuletzt geändert von Klaus am 7. Mär 2007 22:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Risto » 9. Mär 2007 17:40

Klaus schrieb:

Denn kein richtiger Åländer würde auch nur eine Miene verziehen, wenn er gefragt werden würde, zu wem er hält. Die Antwort ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Schweden.


Janne Holmén vertritt aber Finnland - obwohl er sogar in Schweden wohnt. ;) Er hat für Finnland im Jahr 2002 sogar die Goldmedaille in Marathon-EM in München geholt. Insofern ich es richtig mitbekommen habe, verursachte es für ihn kein Identitätsproblem, Finnland zu vertreten.

http://en.wikipedia.org/wiki/Janne_Holm%C3%A9n
Zuletzt geändert von Risto am 9. Mär 2007 17:47, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 9. Mär 2007 17:49

Stimmt. :D Peter Sjölund spielt ja auch bei den Herren in der Fußballnationalmannschaft. Tja, wenn man als Åländer so hoch kommt, muss man selbstverständlich für Finnland laufen/spielen - oder gar nicht.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Risto » 9. Mär 2007 17:55

Und es gibt Finnen, die Åland vertreten. Ein ehemaliger Schulfreund von mir, Patrik Rikama, spielt zur Zeit beim IFK Mariehamn.

http://fi.wikipedia.org/wiki/IFK_Mariehamn
Zuletzt geändert von Risto am 9. Mär 2007 18:32, insgesamt 1-mal geändert.

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