Åland und Finnland

Ein Inselgewirr wie aus Tausend und einer Nacht: Landfetzen, Wasserzungen, Bäume im Meer, rauhes Urgestein, Blau so weit das Auge reicht. Ein wunderbares Chaos aus Wasser und Land!

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 9. Mär 2007 18:17

Cool, guter, alter Schulfreund! :D Der Trainer vom IFK Mariehamn (Pekka Lyysi) scheint auch ein Finne zu sein.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 12. Apr 2007 19:27

Unter den åländischen Jugendlichen, die außerhalb Ålands studieren gehen, wählen über 70% Schweden und weniger als 30% Finnland. Warum das so ist, darüber hat Catharina Lojander-Visapää von der schwedischen Sozial- und Kommunalhochschule in Helsinki nun eine Untersuchung angestellt.

"Eine schwedische Studienwelt ist für die åländischen Studenten sehr wichtig. Die Untersuchung zeigt auch, dass åländische Jugendliche mehr Kenntnisse über verschiedene Ausbildungen in Schweden haben als in Finnland", so Catharina Lojander-Visapää. Die Untersuchung wurde von der Koordinationsdelegation für die schwedischsprachige Hochschulausbildung in Finnland in Auftrag gegeben. Diese hoffen, die Untersuchung als Grundlage dafür nehmen zu können, um die Zusammenarbeit mit Åland zu verbessern und mehr åländische Jugendliche nach Finnland zum studieren zu locken.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 16. Apr 2007 23:17

Aus der Untersuchung sind jetzt nähere Ergebnisse bekannt geworden, warum immer mehr Åländer ihr Studium in Schweden beginnen. Während früher noch etwa die Hälfte zum Studieren nach Finnland ging, gehen heute fast drei viertel der åländischen Jugendlichen nach Schweden zum studieren und nur noch rund ein Viertel nach Finnland. Der Grund? Pauschal gesagt, Schweden ist für Åländer das Mutterland.

Die Untersuchung wurde unter den aktuellen Gymnasiasten des Lyceums in Mariehamn durchgeführt. Als der wohl wichtigste Grund nach dem "Heimatgefühl" stellen sich die schlechten Finnischkenntnisse der Jugendlichen heraus. Bei den meisten Gymnasiasten sind die Finnischkenntnisse bei weitem nicht ausreichend, schon gar nicht für ein Studium. "Ein Studium auf Schwedisch in Finnland könnte eine Möglichkeit sein, die Finnischkenntnisse zu verbessern und auszubauen, aber das spielt bei den Åländern bei der Studienwahl überhaupt keine Rolle", so Lojander-Visapää.

"Dagegen ziehen die Åländer Schweden gegenüber Finnland vor, weil es für sie selbstverständlich und natürlich ist, nach Schweden zu gehen. Außerdem haben sie mehr Kenntnisse über die Ausbildung in Schweden als über die Finnische."

"Das ist ein natürlicher Kreislauf. Die Jugendlichen bekommen die Informationen über verschiedene Ausbildungen von ihren Freunden. Je mehr in Schweden studieren, desto mehr Information über schwedische Ausbildung bekommen die Gymnasialschüler und desto wahrscheinlicher ist es, dass sie nach schwedischen Ausbildungen suchen", sagt Lojander-Visapää, die in dieser Entwicklung das bisher kaum bedachte Risiko sieht, dass Åland sich in der kommenden Generation exponentiell stark von Finnland entfernen wird.

"Je weniger Åländer, die in Finnland studieren, desto schlechter werden die Kenntnisse über Finnland auf Åland und vice versa."

Maßnahmen müssen laut Lojander-Visapää nun andere ergreifen. Vor allem sind hier die finnischen Politiker sind hier gefragt, die die Åländer über Jahre haben ziehen lassen und diese Situation erst möglich gemacht haben. Langsam und fast ungemerkt haben die Åländer [wohl eher absichtlich als versehentlich, K.] ihr Ausbildungssystem mittlerweile so stark vom Finnischen verfremdet, dass viele Finnen gar nicht mehr wissen, wie sie ein åländisches Examen im Verhältnis zu einem Finnischen bewerten sollen. Folge ist, dass das åländische Studienexamen in Finnland oft nicht 1 zu 1 anerkannt wird.

[Das åländische Ausbildungssystem ist mittlerweile dem Schwedischen näher als dem Finnischen, dass hat mir letztes Jahr auf Åland eine Lehrerin erzählt. Dazu muss aber angemerkt werden, dass Åland als autonome Region u. a. in Sachen Ausbildung selbst entscheiden kann., K.]
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 26. Apr 2007 14:26

Nauclér hält erste Rede im Reichstag

Heute hielt die Reichstagsabgeordnete Elisabeth Nauclér ihre erste Rede im vollbesetzten Reichstag. Sie sprach über das Regierungsprogramm des Kabinetts Vanhanen II, wo sie u. a. sagte, dass die Verbindungen zwischen Åland und Finnland in letzter Zeit sehr eisig waren und sie deswegen sehr froh ist, dass Åland einen hervorgehobenen Platz im Regierungsprogramm bekommen hat. Besonders hob sie die neue Bereitschaft Finnlands hervor, nun über die Seefahrtsfragen und den Ausbau der Selbstverwaltung zu verhandeln und die erstmalige Beteiligung Ålands an außen- und sicherheitspolitischen Fragen. Außerdem lobte sie, dass Åland nun einen Ålandminister in der Regierung bekommen hat und ebenso ein Ålandsekretäriat gegründet wurde. Nauclér erhofft sich viel von Ålandministerin Thors sowie vom Ålandsekretäriat.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Nane » 27. Apr 2007 18:36

Also, wenn åland unabhængig wære, fænde ich das sehr Interessant. Da hætte ich wohl noch 100te Fragen dazu. Gibt es da schon konkrete Plæne was das wirtschaftssystem angeht? Also , wie wollen sich die Inseln selber finanzieren? ?(

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 28. Apr 2007 11:28

Ich sehe der ganzen Debatte auch mit großem Interesse entgegen. Also, genaue Zahlen gibt es noch nicht, die sollen in eineinhalb Wochen präsentiert werden. Meine Meinung ist, dass es Åland als selbstständigen Staat wesentlich besser gehen könnte, als heute unter Finnland. Denn, sie könnten alle Gesetze selber entwerfen - speziell angepasst für ihr kleines Land. Heute können sie ja bereits schon einen Großteil der Gesetze selbst entwerfen, und genau das ist auch der Grund, warum es Åland erheblich besser geht als Finnland und allen anderen nordischen Ländern - Åland steht auf Platz zwei hinter Island. Åland ist dazu mit Abstand die reichste Region in Finnland und ebenfalls nach Island die reichste "Nation" im Norden. Wenn Åland in Zukunft insbesondere eine eigene Steuerpolitik betreiben kann, kann die Wirtschaft sehr speziell gefördert bzw. besteuert werden. Auf Grund des kleinen Arbeitsmarktes, auf dem es nahezu keine Arbeitslosen gibt, können die Steuersätze auch erheblich niedriger sein als in Finnland. Andere kleine Staaten machen es vor, Liechtenstein, San Marino, Monaco, Luxemburg und Andorra sind die Zwergstaaten in Europa, und denen geht es wirtschaftlich auch am Besten. Åland könnte durch seine geringe Steuern und vor allem weil es außerhalb der EU-Steuerunion liegt, zu einem besonderen Finanzzentrum werden, ähnlich wie Liechtenstein oder die Kanalinseln. Es ist also so, dass die niedrigen Steuern im Vergleich höhere Einnahmen als heute bewirken würden. Das wiederum löst das Finanzierungsproblem des Staates Åland von selbst.

Was das Wirtschaftssystem angeht, gibt es im neuen Regierungsprogramm Vanhanen II ein eigenen Kapitel, nämlich weiterer Ausbau der Selbstverwaltung, insbesondere Übernahme der Steuerpolitik. Damit wäre der erste Schritt in Richtung "Steuerparadies Åland" getan. Die Insulaner könnten damit ihre eigenen Steuern festsetzen und eintreiben, ohne das irgendwas an Helsinki abgeführt werden muss. Die niedrigen Steuern, im Weißbuch war von etwa 5% wie in San Marino die Rede (anstatt 45% in Finnland), würde Åland als Wirtschaftsstandort sehr attraktiv werden. Die Frage der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit wie etwa bei den Färöern oder Grönland würde sich am Fall Åland nicht stellen. Dazu hat Åland eine sehr starke und konkurrenzfähige Seefahrt, die etwa 1/3 des åländischen BIPs ausmacht.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 30. Apr 2007 17:02

Was man hier übrigens nicht vergessen sollte, ist, dass, wenn die Wirtschaft mal einbricht und alles in den Keller geht, Åland unter Finnland besser aufgehoben ist als wenn sie ein eigener Staat wären. In so einem Fall würde nämlich das Geld aus Finnland kommen. Aufgrund der Autonomie würde Åland mehr Zuschüsse bekommen als andere Regionen in Finnland. Ein eigener Staat könnte höchstens Geld drucken, was wiederum schädlich für die Währung ist.
Zuletzt geändert von Klaus am 9. Mai 2007 17:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 11. Mai 2007 09:24

Gestern fand wieder eine Sprachdebatte des interkulturellen Vereins auf Åland statt. In dieser Debatte wurde von vielen Gästen der Finnischunterricht auf Åland kritisiert. Der Unterricht in Finnisch ist auf Åland heute kein Ziel mehr, weder für Åländer noch für Kinder, die Finnisch als Muttersprache oder als Zweitsprache haben. Zu dieser Auffassung kam man gestern nach der Sprachdebatte.

Landshövding Peter Lindback versuchte nochmals klarzustellen, dass weder die finnische Sprache noch die finnischsprachigen auf Åland eine Bedrohung oder ein Problem sind. Das Problem liege nach ihm vielmehr bei den schwedischsprachigen auf Åland, die kein Finnisch können.

Sirpa Eriksson, Leiter der ÅHS (Ålands Hochschule), gab weiter zu bedenken, dass zum einen der Finnischunterricht und zum anderen das Niveau der Finnischkenntnisse der Åländer heute katastrophal sind. Durch die zum Teil heftig geführte öffentliche Sprachdebatte fühlen sich finnische Muttersprachler auf Åland als Mitbürger 2. Klasse.

Wie man aber die Toleranz der Åländer gegenüber den Finnen wieder herstellen kann, dafür hatte letztendlich keiner der Diskussionsteilnehmer ein Rezept.


(Was die Finnischsprachigen auf Åland angeht, kann ich wohl nachvollziehen, dass sie sich als Bürger 2. Klasse fühlen. Wenn man die teilweise heftigen Angriffe auf die finnische Sprache und die Vorwürfe gegen Finnland liest, kann einem als Finnen dieses Gefühl schon überkommen.)
Zuletzt geändert von Klaus am 12. Mai 2007 19:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 12. Mai 2007 19:36

Der Richtigkeitshalber auch hier die Berichtigung:

Landshövding Lindbäck wurde falsch zitiert

Landshövding Peter Lindbäck wurde in seiner Aussage auf der Sprachdebatte des Interkulturellen Vereines Ålands falsch zitiert (siehe oberen Bericht).

"Das Problem sind in keinster Weise die schwedischsprachigen Åländer, die kein Finnisch können. Das wäre absurd, wenn ich als Landshövding von Åland so etwas sagen würde. Das Problem sind auch nicht die Finnischsprachigen. Es geht darum, dass diejenigen, die kein Finnisch können, auf verschiedene Probleme in unterschiedlichen Zusammenhängen stoßen. Sie erfahren, dass sie es schwer haben, einen Arbeitsplatz zu finden, sie haben es schwer, mit verschiedenen Branchenorganisationen oder ähnlichen zu kommunizieren. Das ist das Problem," sagte Lindbäck.

Im Artikel war ein Wort falsch.

"Weder die finnische Sprache noch die finnischsprachigen auf Åland sind eine Bedrohung oder ein Problem. Das Problem haben vielmehr die schwedischsprachigen auf Åland, die kein Finnisch können."
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 15. Mai 2007 16:44

Die Wirtschaft auf Åland brummt seit Jahren, das BIP der Insel wächst merklich stärker als das in Finnland. Das bekam Finnland in den letzten Jahren immer wieder zu spüren, wenn im Frühsommer die Überschussbeträge der auf Åland eingenommenen Steuern zurückbezahlt werden müssen.

Im Selbstverwaltungsvertrag ist festgehalten, dass Åland maximal 0,5% zum finnischen Haushalt beitragen muss, entsprechend der Einwohnerzahl. Das bedeutet, dass in wirtschaftlich schlechten Zeiten Åland unter Umständen weniger als 0,5% zahlen müsste. Das wäre der Fall, wenn die Wirtschaft auf Åland schlechter läuft als in Finnland, was aber ist in der Praxis bisher noch nie vorgekommen ist. Meistens hätte Åland durch seine gut laufende Wirtschaft mehr als 0,5% zum finnischen Staatshaushalt beigetragen, insbesondere in den letzten Jahren. Um das zu vermeiden, muss Finnland jedes Jahr alles, was über die 0,5% hinausgeht, an die Insulaner zurückzahlen. Vor allem seit Ende der neunziger Jahren wurden nahezu jährlich neue Rekordbeträge an Åland zurückgezahlt.

So auch dieses Jahr. Ganze 35 Millionen Euro hat Finnland dieser Tage nach Åland zurücküberwiesen, soviel, wie noch nie zuvor. Laut ÅSUB sind die Aussichten weiterhin gut, was die Rückzahlungen aus Finnland angeht. Allerdings werden in den nächsten Jahren aufgrund der in Finnland etwas anziehenden Wirtschaft keine Rekordbeträge mehr erwartet. Für 2008 errechnete das "Åländisches Statistik- und Untersuchungsbüro" eine Rückzahlsumme von 28,5 Millionen Euro, für 2009 von 29,3 Millionen Euro und für 2010 25 Millionen Euro.

Über diese frohe Botschaft freuen sich vor allem die Politiker der Insel, die bisher für nächstes Jahr von einem "normalen" Rückzahlbetrag von 15 bis 20 Millionen Euro ausgegangen waren.
Zuletzt geändert von Klaus am 15. Mai 2007 16:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 29. Mai 2007 16:57

Es wurde Besserung gelobt, für dieses Jahr. Nachdem der åländische Touristenverband sich auf Åland letztes Jahr viel Ärger mit seinen nur auf Finnisch beschrifteten Plakaten in Finnland einhandelte, wird dieses Jahr ordentlich nachgetreten. Aber immerhin steht da, wo letztes Jahr noch "Ahvenanmaa" stand, jetzt "Åland", doch ansonsten ist das Plakat wie gehabt nur auf Finnisch beschriftet.

Bild
Das ist das Plakat, um das sich die Kritik auf Åland dreht.

Für viele Åländer ist das ein Schlag ins Gesicht. Sie stellen sich die Frage, warum Åland in Finnland nicht Schwedisch sprechen kann? Wer ist derjenige im Reich, der am härtesten für die schwedische Sprache kämpft? Die meisten würden Åland sagen, gerade auf Åland. Warum dann nicht auch zumindest einen Teil der Werbung in Finnland auf Schwedisch? Schließlich wohnen gerade in Helsinki nicht wenige Schwedischsprachige - von denen einige nichtmal Finnisch verstehen.

Wen interessiert das schon, denkt man vielleicht, schließlich soll die Kampagne finnische Touristen nach Åland locken.

Sicherlich, aber auf der anderen Seite kann man eine etwas stabilere Haltung in der sprachlichen Sache erwarten. Schließlich ist es die Landesregierung, die für die Druckkosten aufkommt. Denn die Åländer wollen doch, dass finnische Touristen, die auf die Inseln kommen, deutlich zu verstehen bekommen, dass sie sich "hier" im Ausland befinden und damit keinen Service auf ihrer Sprache erwarten können. Nur, wie will man das mit einsprachig finnischer Werbung erreichen?

Es ist also durchaus nicht ganz unbegründet, wenn ein Großteil der Åländer diese Kampagne als Mitschuldig an der Verfinnischung Ålands sieht. Es wächst sogar eine zunehmende Unzufriedenheit mit den Betrieben und Unternehmern, die Finnisch für gewisse Arbeitsplätze fordern, als wären sie die Schuldigen der Verfinnischung Ålands.

Ein Kritiker brachte es auf den Punkt:"So viel ist die Identität und Solidarität mit den anderen schwedischsprechenden in Finnland Wert, dass man nicht mal auf einer Reklamekampagne ein kleines "Välkommen" auf Schwedisch an alle Finnlandschweden anbietet, die sehr wohl die åländische Unterstützung in einer dominierenden finnischsprachigen Umwelt gebrauchen könnten."

Mich wundert es wirklich, dass sowas ausgerechnet von Åland kommt. Als ich 2004 in Finnland war, habe ich ein Werbeplakat von der åländischen Reederei Viking Line gesehen - zweisprachig in einer einsprachig finnischen Region. Diesen Fehler hätte Åland wirklich nicht machen müssen, gerade Åland nicht. Denn sonst ist es immer Åland, die auf die Rechte ihrer Minderheitensprache in allen Belangen mit Finnland pochen, sei es in der Politik, sei es in Teilen der Wirtschaft. Und jetzt ist es ausgerechnet Åland, die mit einer einsprachig finnischen Werbung ihre schwedischsprachigen Freunde in Finnland im Stich lässt. Zum zweiten Mal in Folge.
Zuletzt geändert von Klaus am 1. Jul 2007 14:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Risto » 29. Mai 2007 21:08

Ich habe dieses Plakat heute in Turku zufällig registriert und muss schon sagen, dass die Åländer in diesem Sinn ziemlich doppelmoralistisch sind. Vor einiger Zeit klagten sie sich ja darüber, dass die ausschliessliche Schwedischsprachigkeit Ålands nicht in finnischen Tourismusprospekte, die internationaler Verbreitung haben, deutlich genug betont werde, und jetzt haben sie selber zum zweiten Mal ein Werbungsplakat ausschliesslich auf Finnisch verfasst. Die Logik der Åländer ist für mich nach wie vor wie ein Buch mit sieben Siegeln. :rolleyes:
Zuletzt geändert von Risto am 29. Mai 2007 21:12, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Namenlos. » 30. Mai 2007 00:07

Eine echte Wirre! 80
Man kann nur fragen, ob das wirklich der Rede Wert ist, abgesehen von Ålandstidningen, natürlich.

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Risto » 30. Mai 2007 10:38

Klaus schrieb:

Denn die Åländer wollen doch, dass finnische Touristen, die auf die Inseln kommen, deutlich zu verstehen bekommen, dass sie sich "hier" im Ausland befinden und damit keinen Service auf ihrer Sprache erwarten können.


Dass man aber so etwas in einem Werbungsplakat über Åland nichtmal indirekt erwähnt, ist selbstverständlich. Was wäre es denn auch für eine "Werbung", wenn zwischen den Zeilen - oder sogar im Klartext - zu lesen wäre, dass man sich im klaren darüber sein soll, vor Ort befinde man sich im Ausland und könne damit keinen Service auf seiner Sprache erwarten? Das wäre doch eher wie eine Warnung: kommen Sie bitte niemals nach Åland, wenn Sie grossen Wert auf gute Kundendienstleistung legen. Ausserdem befinden sich Finnen nicht im Ausland, wenn sie auf Åland sind.

Für diejenigen, die dem Finnischen nicht mächtig sind, könnte man den Werbungstext noch ins Deutsche übersetzen. "Tuhansien saarten maa" heisst "Das Land der tausend Inseln" und ist eine Umgestaltung von "Tuhansien järvien maa" ("Das Land der tausend Seen"). Scheint daher in der Tat so, als hätte man in der Werbung Abstand von der separatistischen Mentalität genommen, um finnische Touristen anzulocken anstatt zu warnen. Zwischen den Zeilen ist überhaupt keine Warnung zu lesen, sondern eher jene Ermutigung, dass Åland ja Teil von Finnland sei und dass Finnen sich dort daher einheimisch fühlen können.

Eine gute Werbung, würde ich sagen, und ich kann Pirpana nur beipflichten. Scheint in der Tat so, als wären viele der sprachpolitischen Diskussionen auf Åland ziemlich überflüssig. Aus einer Mücke wird nicht selten einen Elefanten gemacht.

Allerdings wäre es schon angemessen und logisch gewesen, wenn es in der Werbung auch einige Worte auf Schwedisch gegeben hätte.
Zuletzt geändert von Risto am 30. Mai 2007 11:59, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 30. Mai 2007 16:02

Du hast es falsch verstanden Risto. Es war niemals beabsichtigt, das in die Werbung zu ziehen - wäre ja auch völliger Unsinn. Der Satz soll nur das Prinzip verdeutlichen, dass es in sich wiedersprüchlich ist, eine Werbeplakat von Åland auf rein Finnisch zu entwerfen.

Der Satz hat auch keinerlei Anspielungen darauf, dass Åland jetzt normal-Finnisch wäre, sondern hier geht es ganz einfach um marketingtechnische Aspekte. Der Text ist hervorragend gewählt und speziell auf die Finnen zugeschnitten. Der Satz wäre weder in Schweden noch in Deutschland anzuwenden.
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