Åland und Finnland

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Risto
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Risto » 30. Mai 2007 16:55

Alle Finnen wissen aber bereits, dass man auf Åland Schwedisch spricht. Diese Einsicht wird kaum von einigen Werbungen geändert, obwohl sie ausschliesslich auf Finnisch verfasst sein sollten. Schliesslich sind praktisch gesehen alle Prospekte und Werbungen in Finnland auf Finnisch, was ja längst nicht heisst, dass man auf die Idee kommen würde, man könne sich z.B. in Acapulco de Juárez auf Finnisch verständigen weil der in Finnland erhaltene Reiseprospekt nur auf Finnisch zugänglich war ;) .

Vielmehr geht es meiner Meinung nach um eine prinzipielle Frage: wenn die Åländer Anspruch darauf machen, dass Finnen die Schwedischsprachigkeit Ålands in internationellen Reiseprospekten Finnlands betonen müssen, sollten sie das auch selber tun, und zwar in allen ihren eigenen Reiseprospekten und -Plakaten. Dass ein ausschliesslich auf Finnisch verfasstes Plakat - das auf dem finnischen Festland verbreitet ist - aber irgendeine Verfinnischung auf Åland fördern würde, kommt mir wie gesagt so vor, als würde man aus einer Mücke einen Elefanten machen.
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sunny1011
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von sunny1011 » 30. Mai 2007 18:21

Huh, hier geht's ab 80

Ich seh die Werbung eher als witzig-harmlos-provokant (wohl mein Spezialgebiet ;) ), weil man es nicht bewusst liest und anguckt, sondern sofort die Webadresse visitfinland.com sowie den Spruch, "Tuhansien järvien maa" samt Logo in Erinnerung hat. Etwa Richtung Coke zero und Pepsi max, die dann das zero auf die Schippe genommen haben.
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Aus Finnen von Sinnen [auf Finndeutsch]: "Finnland verhält sich zu der Erde wie das Erde zu der Universum. Weisst du, wir sind ein bisschen weit weg von die Zentrum, und wenn du vorbeifliegst an uns, denkst du, ach, da gibt es doch nur Wasser und Wolken. Deswegen steigt auch wenige aus hier. Macht aber nix, sind ja auch ganz gut allein zurechtgekommen bis jetzt (...) Allerdings lässt sich dieser O-Ton (...) hochmutiger auslegen. (...) dass ihre Heimat der einzige Ort auf Erden ist, an dem sich wahrhaft intelligentes Leben findet (...)

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Klaus
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 30. Mai 2007 22:12

Gut sunny! :D Das Beispiel hat mir gefehlt! Im Grunde ist das das gleiche. Det Trick bei der Plakatwerbung ist ja, mit möglichst wenig Aufwand und möglichst geringem Blickkontakt (bei Plakatwerbung) möglichst schnell ins Gedächtnis des Betrachters eingebrannt zu werden. Das ist mit der "Kopie" der Finnlandwerbung sehr gut gelungen. Unser Prof meinte neulich, solche Chancen eine Kopie wären extrem selten.


Ja, Risto, es ist wirklich nur sehr schwer nachzuvollziehen, wie eine finnische Ålandwerbung in Finnland der Verfinnischung Ålands beeinflussen könnte. :rolleyes: Es beeinflusst höchstens minimal die Verfinnischung Finnlands. Es scheint so, als suche man auf Åland nach Schuldigen, dass bei vielen Jobs Finnisch gefordert wird. Immer mehr Problematisch ist in dieser Hinsicht wiederum, dass Unternehmen und Unternehmer, die Finnischkenntnisse verlangen, zunehmend unbeliebt unter den Åländern sind. Damit wären wir schon wieder offtopic. Aber, daran sieht man, irgendwie hängt da alles irgendwie mit anderen Sachen zusammen. ;)
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Risto » 31. Mai 2007 14:30

Klaus schrieb:

Es scheint so, als suche man auf Åland nach Schuldigen, dass bei vielen Jobs Finnisch gefordert wird. Immer mehr Problematisch ist in dieser Hinsicht wiederum, dass Unternehmen und Unternehmer, die Finnischkenntnisse verlangen, zunehmend unbeliebt unter den Åländern sind.


Eben darum dürfte es sich hier handeln, wobei ich nicht so ganz verstehe, woran das Problem liegen soll. Dass Finnischkenntnisse immer häufiger von Kundendienstleistungspersonal verlangt werden, ist eine Frage der Verstärkung der touristischen Konkurrenzfähigkeit Ålands. Man kann zwar immer anführen, dass die Finnen doch Schwedisch in der Schule lernen und daher in der Lage sein sollten, auf der Ortssprache zurechtzukommen, aber aus Kundendienstleistungsperspektive ist eine solche Einstellung krass - zu dieser Einsicht scheinen die unbeliebt gewordenen åländischen Unternehmern gekommen zu sein, und das mit Recht. In einer Marktwirtschaft sollte der Kunde König sein und nicht umgekehrt. Als Gegenargument könnte man nun anführen, Finnisch sei doch eine so kleine und schwierige Sprache, dass es unmässig wäre, Finnischkenntnisse von einigen åländischen Arbeitnehmern vorauszusetzen. Wenn man aber bedenkt, dass finnische Touristen eine erhebliche Anzahl von den Touristen auf Åland darstellen, scheinen mir gewisse Forderungen arbeitsgeberseits von Finnischkenntnissen eigentlich gar nicht unberechtigt zu sein. Und das heisst ja längst nicht, dass alle Åländer Finnisch beherrschen müssten, sondern nur diejenigen, die in einer Bransche tätig sind, wo Finnischkenntnisse die Konkurrenzfähigkeit Ålands fördern würden.

Es scheint mir so, als würden Åländer alles automatisch mit Sprachpolitik in Verbindung setzen. Sollte dann etwas nur irgendwie mit der finnischen Sprache verbunden sein, wird automatisch eine negative Stellung genommen, und zwar ohne dass man sich den geringsten Gedanken darüber machen würde, dass Finnischkenntnisse vielleicht doch in erster Linie dazu geeignet wären, eben åländische Interessen zu fördern.
Zuletzt geändert von Risto am 31. Mai 2007 14:53, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 31. Mai 2007 18:21

Risto schrieb am 31.05.2007 14:30
Es scheint mir so, als würden Åländer alles automatisch mit Sprachpolitik in Verbindung setzen. Sollte dann etwas nur irgendwie mit der finnischen Sprache verbunden sein, wird automatisch eine negative Stellung genommen, und zwar ohne dass man sich den geringsten Gedanken darüber machen würde, dass Finnischkenntnisse vielleicht doch in erster Linie dazu geeignet wären, eben åländische Interessen zu fördern.
Ja, so scheint es mir auch. In Holland ist es ja ähnlich. Vor allem in den Feriengebieten sprechen die meisten Holländer zumindest etwas Deutsch - schließlich machen die Deutschen einen großen Anteil der örtlichen Touristen aus. So auch auf Åland, wo der (hier auch) große östliche Nachbar einen Anteil von 38% bei den Touristen ausmacht.

Bei einem derart großen Anteil ist es natürlich nicht unnormal, die Sprache der Gäste zumindest teilweise von den Arbeitnehmern zu fordern. So, wie es ja auch derzeit ist. Aber du hast schon recht, sobald auf Åland Finnisch als Fremdsprache genannt wird, sind alle dagegen. Dass sie selbst, wenn sie ein eigener Staat wären, ganz ohne Finnisch wahrscheinlich nicht auskommen würden, scheint nicht zu interessieren. Aber in dem Thema spielt glaube ich auch sehr viel Patriotismus und historisches Misstrauen eine Rolle. ;)


Ein Beispiel noch zu der von dir angeführten negativen Stellung (wenn auch etwas offtopic, aber es passt :D ): Bei der Diskussion, ob im Kindergarten die Kinder schon in Fremdsprachen unterrichtet werden sollten, waren fast alle dafür. Schließlich sollten die Kinder ja gut Englisch lernen. ;) Als ein Politiker von den Liberalen dann Finnisch als Fremdsprache nannte, wollte plötzlich niemand mehr was von Fremdsprache im Kindergarten wissen. Letztendlich lernen die Kinder nun nur Englisch im Kindergarten. :D
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von sunny1011 » 31. Mai 2007 18:58

"Kunde ist König" hat Risto gut gesagt :) :thumbsu: . Das find ich übrigens noch wichtiger als die legitime zwei Amtsprachen (nicht Schwedisch als Zweitsprache), die eh selbstverständlich sein sollte. Dies betrifft insbesondere die Touribranche in allen anderen Ländern auch. Mein positivstes Beispiel bisher war Portugal - da können sich die Spanier und erst recht Italiener eine ganz dicke Scheibe abschneiden! *OT*

Wir haben mal diskutiert, dass die Ergebnisse eines Test in den öffentlichen Stellen wie Polizei, Rathaus, Arzt, aber auch ansonsten in Helsinki mehr als mager in Bezug auf Schwedisch war. Das kann nicht sein, dass man die Einstellung vertritt, dass wenn z.B. ein alter Mensch ganz plötzlich in einem einsprachigen Gebiet Finnlands ansässig wird, dass er sich dann umstellen muss. Es gibt genügend Krankheiten, die es dann nicht mehr möglich machen, zwischen Spachen zu schalten. Es geht nicht, dass man dann mit der finn. "Zweitsprache" nur den halben Service bekommt, weil dem Servicepersonnel nicht danach ist, die "Minderheitssprache" zu benützen :rolleyes: .

Und da ist (genauso im Åland Bezug) jegliches Angiften fehl am Platz (das mit den Kindergärten ist der Hammer 80 ). Ich hab ja schon berichtet, wie's jetzt um unsere plötzlich-schwedisch-gewordene Firma steht. Dabei müssen wir nicht mal Schwedisch können... Wie gesagt, für Aussenstehende äusserst merkwürdiges Verhalten, das sicherlich tiefe Wurzeln hat, die für uns unergründlich sind.
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Re: Åland und Finnland

Beitrag von ulli » 31. Mai 2007 19:33

sunny1011 schrieb am 31.05.2007 18:58
Wie gesagt, für Aussenstehende äusserst merkwürdiges Verhalten, das sicherlich tiefe Wurzeln hat, die für uns unergründlich sind.
Ich glaube, genau das ist der Punkt - weshalb wir uns hier nicht weiter über dieses Problem erhitzen sollten.
Wer weiß, wie Gesetze und Würste zu Stande kommen, kann nachts nicht mehr ruhig schlafen. (Otto von Bismarck)

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Namenlos. » 1. Jun 2007 00:23

ulli schrieb am 31.05.2007 20:33

Ich glaube, genau das ist der Punkt - weshalb wir uns hier nicht weiter über dieses Problem erhitzen sollten.


Danke schön Ulli, endlich hat jemand das gesagt. :)

Ich gehe jetzt aber ein bisschen weiter, obwohl auch das jetzt bestimmt etwas "offtopic" sein mag.
Ich bin manchmal gefragt worden, wie es kommt, dass ich Deutschland-Fan bin. Die Antwort ist ganz einfach:
In Deutschland überlasse ich nämlich immer allerlei politische Fragen und Probleme, Wurst und Sauerkraut und alles was da zwischen liegt, den Deutschen selbst. Als außenstehend hätte ich dennoch nicht keinerlei Lösungen anzubieten. Meckern und Jammern können ja nicht das verändern, was ich jeweils in Deutschland nicht so toll finde. Meiner Meinung nach wäre es auch äusserst frech von mir zu verlangen, dass die deutsche Gesellschaft plözlich auf finnische Weise funktionieren sollte. :rolleyes:
Also, in Deutschland genieße ich das schöne Land, die Kultur, mit den Leuten zu reden, usw. Ich esse das, was mir schmeckt und ich kann immer noch Deutschland-Fan sein. ;)

Auch Finnland kann nicht jedermann ein optimales Land zu leben sein. Wenn einem jedoch alles hier so schrecklich schwer fällt, kann man immer Konsequenzen ziehen...
Zuletzt geändert von Namenlos. am 2. Jun 2007 19:01, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Åland und Finnland

Beitrag von Klaus » 1. Okt 2007 17:38

Ab heute (01.10.2007) müssen in Finnland per Gesetz alle Freizeitboote ab 5,5 m Länge oder mit einem Motor von über 20 PS behördlich registriert werden.

Auf Åland gibt es dagegen keine Änderung der bisherigen Regelung. Hier gilt weiterhin, dass Boote mit Innenbordmotor von unter 50 PS oder mit Außenbordmotor von unter 20 PS nicht registriert werden müssen. Die Länge des Bootes spielt bei der Registrierung keine Rolle.
Zuletzt geändert von Klaus am 1. Okt 2007 17:39, insgesamt 1-mal geändert.
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