Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

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sunny1011
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Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von sunny1011 » 8. Nov 2007 09:50

Hattifnatte schrieb am 08.11.2007 09:16
Strukturmängel im finnischen Schulsystem
Hattifnatte schrieb am 08.11.2007 09:16
Ressourcenmangel bei der systematischen psychologischen Betreuung von Schülern
Hattifnatte schrieb am 08.11.2007 09:16
Große Klassen, wenig Betreuer

Ein Problem sei beispielsweise, dass die Vorbeugung gegen Mobbing und Gewalt an den Schulen in immer größeren Klassen mit immer weniger Personal bewerkstelligt werden müsse. Insbesondere gebe es zu wenig Betreuer und Personal im Schulgesundheitswesen.
Das überrascht mich jetzt ehrlich gesagt. Die letzte OECD Studie belegte genau das Gegenteil. Finnland war demnach nahezu ein Musterland. Klassen waren nicht zu gross, wie anderswo im OECD-Gebiet ?( Die Finanzierung der Resourcen solle demnach auch besser sein als in vielen anderen Ländern. Auch in Deutschland wird immer aufs Neue darüber positiv berichtet, wie vorbildlich die Struktur in Finnland sei und wie wir alle wissen, nach den miserablen Ergebnissen über das deutsche Bildungssystem in diversen Studien, haben sie allen Grund dazu. Wie sollte denn noch die Betreuung werden: 1 zu 1 ?(

Anderenseits nimmt sich jetzt Matti Vanhanen der Verschärfung der Waffengesetze an. Auch wenn sich gerade Helsinki kürzlich gegen den Vorschlag der EU, die Altersgrenze einheitlich in den Mitgliedsstaaten anzuheben gestreubt hat.

Was mich persönlich zum Grübeln bringt, ist eine Diskussion, die ich mal verfolgt habe, wie liberal der Jugendmedienschutz in Finnland sei, während die deutsche "Zensur" angeprangert wurde.
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Aus Finnen von Sinnen [auf Finndeutsch]: "Finnland verhält sich zu der Erde wie das Erde zu der Universum. Weisst du, wir sind ein bisschen weit weg von die Zentrum, und wenn du vorbeifliegst an uns, denkst du, ach, da gibt es doch nur Wasser und Wolken. Deswegen steigt auch wenige aus hier. Macht aber nix, sind ja auch ganz gut allein zurechtgekommen bis jetzt (...) Allerdings lässt sich dieser O-Ton (...) hochmutiger auslegen. (...) dass ihre Heimat der einzige Ort auf Erden ist, an dem sich wahrhaft intelligentes Leben findet (...)

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Sapmi
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Sapmi » 8. Nov 2007 10:13

Wie nett, dass sich der Staat verantwortlich fühlt. Wenn dadurch manches an den Schulen verbessert wird - toll. Und noch besser ist es für die Eltern, die sich nun nicht mehr ganz so schuldig fühlen müssen. Bild
Das wird aber in keinem Fall Amokläufe verhindern können, denn ein "mangelhaftes" Schulsystem kann einen Menschen zwar meinetwegen belasten, hat aber mit Sicherheit noch keinen Gewalttäter hervorgebracht. Die Gewaltbereitschaft muss vorher schon (latent) da gewesen sein, sonst geht sowas nicht.
Statt dass man da mal nach der wahren Ursache sucht.. nee, nee, sowas regt mir nur noch auf. Bild
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hullu poro
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von hullu poro » 8. Nov 2007 10:19

Ich denke es ist klar, warum diese Feststellung jetzt aufkommen: man sucht die Ursache. Gerade bei Radio YleX gehört: "Es gibt nur eine Frage: Warum?"
Ich bin weiterhin der Meinung, dass das finnische Schulsystem sehr gut ist und es, im Gegensatz zu Deutschland, sehr viel Betreuung bietet.
Dass man jetzt die (kaum vorhandenen) Lücken bemängelt ist wahrscheinlich genauso blöd wie damals beim Colombine-Massaker Marilyn Manson beschuldigt wurde :rolleyes: Die Logik der Menschheit hat diese Schwachstelle, dass man für alles eine Schuld festlegen muss; ganz gleich ob das berechtigt ist oder nicht. Es gibt der Bevölkerung eine Art innere Ruhe, wenn man die vermeindliche Ursache gefunden hat. Ob jeder Handlung eine Ursache zu Grunde liegt (vor allem EINE einzige) ist wohl ein Fall für die Philosophen und Psychologen.....

Zum Waffengesetz: ja, das wurde aber auch Zeit :rolleyes: (meine persönlich Meinung, bin nicht gerade ein Befürworter von Waffenbesitz, es sei denn man ist Jäger oder Förster oder Polizist)
Sapmi schrieb am 08.11.2007 11:13
Wie nett, dass sich der Staat verantwortlich fühlt. Wenn dadurch manches an den Schulen verbessert wird - toll. Und noch besser ist es für die Eltern, die sich nun nicht mehr ganz so schuldig fühlen müssen. Bild
Das wird aber in keinem Fall Amokläufe verhindern können, denn ein "mangelhaftes" Schulsystem kann einen Menschen zwar meinetwegen belasten, hat aber mit Sicherheit noch keinen Gewalttäter hervorgebracht. Die Gewaltbereitschaft muss vorher schon (latent) da gewesen sein, sonst geht sowas nicht.
Statt dass man da mal nach der wahren Ursache sucht.. nee, nee, sowas regt mir nur noch auf. Bild
Ganz klar meine Meinung.
Zuletzt geändert von hullu poro am 8. Nov 2007 10:21, insgesamt 1-mal geändert.
<span style="color:darkred;">Sometimes I cannot take this place. Sometimes it's my life I can't taste.
Sometimes I cannot feel my face. You'll never see me fall from grace.
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von sunny1011 » 8. Nov 2007 11:26

Sapmi schrieb am 08.11.2007 11:13
Das wird aber in keinem Fall Amokläufe verhindern können, denn ein "mangelhaftes" Schulsystem kann einen Menschen zwar meinetwegen belasten, hat aber mit Sicherheit noch keinen Gewalttäter hervorgebracht. Die Gewaltbereitschaft muss vorher schon (latent) da gewesen sein, sonst geht sowas nicht.
Oft hab ich das dumpfe Gefühl, dass die Schule erziehen soll. Um Erziehung (idR durch die Eltern) und Wertevermittlung ist es still.
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Risto » 8. Nov 2007 11:57

Sunny schrieb:

Oft hab ich das dumpfe Gefühl, dass die Schule erziehen soll. Um Erziehung (idR durch die Eltern) und Wertevermittlung ist es still.


Über die Rolle der Schule in der Erziehung der Kinder und Jugendlichen wird es eine Bürgerdiskussion geführt, weil diese Rolle im Gegensatz zu den Erzieherrollen der Eltern nicht selbstverständlich ist. Es geht natürlich nicht darum, dass Eltern auf ihren Rollen als Erziehern verzichten sollten, sondern es geht darum, inwiefern die Schule in der Erziehung überhaupt teilnehmen dürfen sollte.

Ansonsten kann ich nur Sapmi und hullu_poro zustimmen. Man sucht nach einer Ursache, um jeden Preis.
Zuletzt geändert von Risto am 8. Nov 2007 12:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Sapmi » 8. Nov 2007 15:59

Loja schrieb am 08.11.2007 11:34
[img]mad.gif[/img]

Tja, wie schon bei Columbine, Erfurt und wo das sonst noch alles passiert ist, sind jetzt alle ach so betroffen. Dass ein Großteil der Schuld auch bei den Eltern, den Lehrern und den Mitschülern liegt, wird immer gerne zur Seite geschoben. Die oben zitierten waren ganz einfach zu gedankenlos, zu sehr mit sich selbst beschäftigt, zu gleichgültig, zu egoistisch, zu wenig einfühlsam, zu oberflächlich, mit Sicherheit auch zu fies zu dem Jungen, sonst hätte er nicht zu so einer Notlösung gegriffen. Mein größtes Mitgefühl hat dieser arme Junge, der sich nicht mehr anders gegen die "Anderen" zu helfen wusste. [img]mad.gif[/img]
Sapmi schrieb am 08.11.2007 11:55
Loja schrieb am 08.11.2007 11:34
Dass ein Großteil der Schuld auch bei den Eltern, den Lehrern und den Mitschülern liegt,
Bei den Eltern, ja, auf jeden Fall. Die vermutlich an dem Kind vorbei erzogen haben. Ob sie nun zu viel, zu wenig oder zu falsch für ihn da waren - vermutlich haben sie's selbst nicht mal gemerkt. :(

Was Lehrer und Mitschüler angeht: vielleicht war das Verhältnis zu denen auch schlecht und hat die Lage insgesamt verschlimmert, aber wer nicht schon von Haus aus gestört ist, wird durch böse Mitschüler ganz sicher nicht zum Amokläufer. ;)
eiserner wilska schrieb am 08.11.2007 14:26
Mein Kumpel meint zu mir "Siehste, Finnland".
Denn bei seinem letzten Trip dorthin , lernte er einige arg verschrobene Typen kennen. Einer kam mit ner Milchkanne und er sollte daraus trinken. Als er ablehnte kam der Typ mit nem Hammer zurück und auf meinen Kumpel zu......

Aber mal ehrlich, passieren kann dies LEIDER überall und jederzeit auf dieser Welt.
Nur leider kann man wenig dagegen machen, den manche, solcher Typen outen sich nicht vorher.

sunny1011 schrieb am 08.11.2007 15:43
eiserner wilska schrieb am 08.11.2007 15:26
Aber mal ehrlich, passieren kann dies LEIDER überall und jederzeit auf dieser Welt.
Ja, ich hab auch schon vermisst, dass noch ergoogelte Treffer irgendwo gepostet werden, dass es doch ja überall passieren kann und ganz sicher passiert ist. Hat niemand auch das Gegenteil behauptet. Dennoch heute in den Nachrichten: "Miten tämä voi tapahtua Suomessa?"

Zu Mitleid und Schuld:

wir wissen nicht, ob seine Eltern gut oder schlecht waren
wir wissen nicht, ob er von Lehrern benachteiligt wurde
wir wissen nicht, ob er von Mitschülern gemobbt wurde
wir wissen nicht, ob die Schule auf das Mobbing nicht reagierte
wir wissen nicht, was in seinem Kopf vorging.

@Sapmi

Wieso denn nur die Eltern? Eine klare Gefahr birgt die gelobte Ganztagsbetreuung von klein an, denn sie kann (muss aber nicht) in Entfremdung enden. Oft leider die einzige Lösung, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten, aber es ist nicht alles Gold was glänzt. Deswegen fällt es auch auf, dass in den Nachrichten besonders das Versagen des Schulsystems betont wird.

Die Rolle der Schule? Die Ministerin äussert sich doch, dass Mittel ünd Kompetenzen für Mobbingbekämpfung fehlen und dies war bereits früher angesprochen worden. Wenn es denn der Fall war.
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Sapmi » 8. Nov 2007 15:59

Hier die weiteren Beiträge zum Thema aus dem "Traurig"-Thread:
Finnland-Elch schrieb am 07.11.2007 18:05
was wird nach dem furchtbaren Geschehen in Tuusula in Finnland diskutiert,
die Eltern, die Freunde, die Schule, das Fernsehen, das Internet oder gar die
Gesellschaft an sich ?
Meine Gedanken sind bei den Eltern des Kindes, das geschossen hat.
Was werden sie heute nacht fühlen ?
sunny1011 schrieb am 07.11.2007 20:52
hullu poro schrieb am 07.11.2007 16:50
Mich auch, ich hab Bekannte in Tuusula......daran denke ich jetzt besser nicht. Schlimm :( Manchmal fragt man sich, was wohl in den Menschen vorgeht und was in ihrem Leben und Umfeld passiert sein muss. Und im Nachhinein passieren wird.
Jetzt berichteten sie im Radio, dass die Schulpsychologen sprechen davon, dass er Zorn verspürte und Zorn mochte als einziges Gefühl. ?(
Sapmi schrieb am 07.11.2007 20:56
Finnland-Elch schrieb am 07.11.2007 18:05
Meine Gedanken sind bei den Eltern des Kindes, das geschossen hat.
Tja, die werden wohl bei ihrer Erziehung irgendwas gehörig falsch gemacht haben, ganz sicher sogar. [img]mad.gif[/img]
Aber wie geht's den Angehörigen der Opfer? :(
ulli schrieb am 07.11.2007 21:09
Wo hat der Bursche bloß die Waffe her?

Und wie viele solcher Burschen haben so etwas auch unter dem Kopfkissen :( ?
sunny1011 schrieb am 07.11.2007 21:19
ulli schrieb am 07.11.2007 22:09
Wo hat der Bursche bloß die Waffe her?

Und wie viele solcher Burschen haben so etwas auch unter dem Kopfkissen :( ?
He received his gun permit a few weeks ago, and is a member of a shooting club.
Mehr: http://www.yle.fi/news/left/id74371.html
hullu poro schrieb am 07.11.2007 21:20
ulli schrieb am 07.11.2007 22:09
Wo hat der Bursche bloß die Waffe her?

Und wie viele solcher Burschen haben so etwas auch unter dem Kopfkissen :( ?
In Finnland gibts pro Kopf fast genauso viele Waffen wie in den Staaten, und kein Limit wie in Deutschland....
Meine Mutter gerade am Telefon: "Und das in Finnland!" Tja, das haben wir uns damals bei Erfurt wohl auch gedacht, und was sagt uns das? Dass solche Gedanken Schwachsinn sind. Und wie auch bei Erfurt wird mir morgen beim Gang in die Schule wohl mulmig sein.
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Sapmi » 8. Nov 2007 16:00

Sapmi schrieb am 08.11.2007 15:52
sunny1011 schrieb am 08.11.2007 15:43
wir wissen nicht, was in seinem Kopf vorging.
Sehr richtig.
sunny1011 schrieb am 08.11.2007 15:43
Wieso denn nur die Eltern? Eine klare Gefahr birgt die gelobte Ganztagsbetreuung von klein an, denn sie kann (muss aber nicht) in Entfremdung enden.
Und genau das liegt in den Händen der Eltern. Wichtig ist hier nicht die "Quantität" (Zeit, etc.), sondern die "Qualtität" der elterlichen Zuneigung, etc. Sonst wären alle Ganztagsschüler gestört.
sunny1011 schrieb am 08.11.2007 15:43
Oft leider die einzige Lösung, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten,
Eben, und in den seltensten Fällen werden die Kinder zu Gewalttätern (nicht öfter als bei anderen Eltern, würde ich mal sagen).
sunny1011 schrieb am 08.11.2007 15:43
Die Rolle der Schule? Die Ministerin äussert sich doch, dass Mittel ünd Kompetenzen für Mobbingbekämpfung fehlen und dies war bereits früher angesprochen worden.
Das ist in der Tat traurig, wenn man Mobbing an Schulen nicht erfolgreich bekämpfen kann. Wobei wir nicht wissen, ob das hier überhaupt wirklich der Fall war. Aber wenn man so liest, wie der Typ die Tat geplant hat und wie er sonst drauf war...da lag zu 100% eine tiefere psychische Störung vor.
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von sunny1011 » 8. Nov 2007 16:02

Sapmi schrieb am 08.11.2007 16:52
Wichtig ist hier nicht die "Quantität" (Zeit, etc.), sondern die "Qualtität" der elterlichen Zuneigung, etc. Sonst wären alle Ganztagsschüler gestört.
sunny1011 schrieb am 08.11.2007 15:43
Oft leider die einzige Lösung, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten,
Meep, falscher Satz. Ich sag ja auch, dass es die Gefahr birgt und nicht automatisch der Fall ist.
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Sapmi » 8. Nov 2007 16:17

Was war jetzt der falsche Satz? :D

Naja, Du sagtest, dass die Ganztagsbetreuung von klein an eine klare Gefahr birgt, aber doch nicht die Gefahr, sich zum Gewalttäter zu entwickeln?

Bei solchen Sachen spielt doch was ganz Anderes 'ne Rolle, wie z. B. falsche Autorität der Eltern, Gehorsams-Forderung bzw. dass das Kind nicht als eigenständiges Wesen respektiert wird, etc.

Ich hab zu dem Thema ein paar (meiner Meinung nach) sehr gute Bücher von so'nem Psycho-Professor namens Arno Gruen gelesen (z. B. "Der Wahnsinn der Normalität" oder "Der Verlust des Mitgefühls") - kann ich nur empfehlen.

Wie gesagt, es ist ja schön, wenn der Staat und die Schulen sich nun Gedanken machen, ob sie in irgendeiner Weise was zur Besserung der Lage beitragen könnten, aber wie Du schon weiter oben geschrieben hast, kann die Schule nicht den Job der Eltern machen bzw. deren Fehler ausmerzen.
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von sunny1011 » 8. Nov 2007 16:21

Sapmi schrieb am 08.11.2007 17:17
Bei solchen Sachen spielt doch was ganz Anderes 'ne Rolle, wie z. B. falsche Autorität der Eltern, Gehorsams-Forderung bzw. dass das Kind nicht als eigenständiges Wesen respektiert wird, etc.

(...)

Wie gesagt, es ist ja schön, wenn der Staat und die Schulen sich nun Gedanken machen, ob sie in irgendeiner Weise was zur Besserung der Lage beitragen könnten, aber wie Du schon weiter oben geschrieben hast, kann die Schule nicht den Job der Eltern machen bzw. deren Fehler ausmerzen.
Kann ich nur 101% zustimmen.
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Risto » 8. Nov 2007 16:24

hullu_poro schrieb:

In Finnland gibts pro Kopf fast genauso viele Waffen wie in den Staaten,


Zum Thema Waffen: die Anzahl der Schusswaffen per Einwohner sei in Finnland die grösste in Europa und die drittgrösste in der Welt nach den Vereinigten Staaten und Jemen. Ausserhalb der Verteidigungskräften gibt es 1,8 Millionen registrierte Waffen. Unerlaubte Waffen gebe es zwischen 100 000 und 200 000 Stück.

http://www.controlarms.fi/aseetkodeissa.htm
Zuletzt geändert von Risto am 8. Nov 2007 16:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Zeratul » 8. Nov 2007 17:54

Risto schrieb am 08.11.2007 16:24
hullu_poro schrieb:

In Finnland gibts pro Kopf fast genauso viele Waffen wie in den Staaten,


Zum Thema Waffen: die Anzahl der Schusswaffen per Einwohner sei in Finnland die grösste in Europa und die drittgrösste in der Welt nach den Vereinigten Staaten und Jemen. Ausserhalb der Verteidigungskräften gibt es 1,8 Millionen registrierte Waffen. Unerlaubte Waffen gebe es zwischen 100 000 und 200 000 Stück.

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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Hatti » 8. Nov 2007 18:32

"Notiz" einer Wahnsinnstat
18-Jähriger führte 500 Schuss Munition mit sich und versuchte, Schule anzuzünden.Nach dem Amoklauf eines 18-jährigen Schülers am Mittwoch in Finnland gibt die Polizei nun nach und nach die Details der Tat bekannt. Daneben tauchte erneut eine Botschaft des Jugendlichen auf.

Der Maturant hinterließ laut den Ermittlern aus Helsinki, die den Fall untersuchen, nicht nur einen Abschiedsbrief. Er hatte neben seinem "Manifest" im Internet auch eine Notiz verfasst, in der er den Plan zu seiner Tat stichwortartig festhielt.


500 Schuss Munition und eine Notiz
Während seiner Bluttat, bei der acht Menschen und der 18-Jährige (der Jugendliche erschoss sich) starben, habe der Schüler noch versucht, die Schule anzuzünden. Während der Tat hatte er laut Polizei 500 Schuss Munition bei sich - also ein größeres Massaker geplant.


"Informationen zum Angriff"
Finnische Medien berichteten am Donnerstag über die Notiz des Jugendlichen, verfasst unter dem Titel "Informationen zum Angriff", die er wie seine weiteren Botschaften ebenfalls auf der Online-Videoplattform YouTube veröffentlicht hatte. Darin umriss der 18-jährige Pekka-Eric Auvinen Ort, Ziel, Motiv und Art seines Vorhabens.


Ziel: "Schüler, Lehrer, (...) Humanität"
Als Ziel nannte er "Jokela-Gymnasium, Schüler und Personal, die Gesellschaft, die Humanität, die Menschheit".


"Politischer Terrorismus"
Zu seinem Motiv schrieb Auvinen: Es solle sich dabei um "Massenmord, politischen Terrorismus" handeln, denn "obwohl ich ein Gymnasium als Ziel wähle, sind die Motive meines Angriffs politisch und viel, viel tiefsinniger, und deswegen will ich nicht, dass dies nur als 'Schießerei in einer Lehranstalt' bezeichnet wird".


Mit Namen unterzeichnet
In der Nachricht nannte der Jugendliche auch seinen Namen ("Pekka-Eric Auvinen alias NaturalSector89, Natural Selector, Sturmgeist89 und Sturmgeist") und das Modell seiner Waffe ("Selbstladende .22 Sig Sauer Mosquito Pistole"), für die er laut Polizei seit Oktober einen Waffenschein besaß.


Selbstmord angekündigt
Über den Fundort von Auvinens Abschiedsbrief machte die Kripo Helsinki keine näheren Angaben. Er hatte darin laut Polizei seinen Selbstmord angekündigt. Der Brief sei in den Händen der Ermittler und Gegenstand weiterer Ermittlungen, hieß es lediglich.


Fast 70 Schüsse abgefeuert
Am Tatort stellte die Polizei rund 500 Patronen Kaliber .22 sicher, darunter 69 leere Hülsen. Jedes Opfer des Täters weise mehrere Schusswunden auf, hieß es seitens der Polizei.


Alle acht Personen im Alter von 16 bis 61 Jahren - die Direktorin der Schule, eine Krankenschwester, fünf Schüler und eine Schülerin - seien zum Zeitpunkt ihrer Einlieferung ins Krankenhaus bereits tot gewesen, teilte die Polizei mit.


Der 18-jährige Täter starb in der Klinik. Er hatte sich mit der Waffe in den Kopf geschossen. Laut bisherigen Ermittlungen hatte Auvinen seine Tat alleine geplant.


orf.at
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Re: Amoklauf - die Hintergründe in der Presse

Beitrag von Svea » 8. Nov 2007 20:18

Ist zwar auch nicht aus der Presse ;) , aber ich persönlich denke, dass einfach die heutige, globalisierte Gesellschaft, in der wir leben, Menschen zu so etwas veranlässt.
Wissen kann man natürlich nie welches die genauen Faktoren waren, aber ich glaube - ohne den einzelnen von seiner Verantwortung freisprechen zu wollen - dass Schule, Elternhaus, Freunde etc. nicht entscheidend für die Tat waren. Er wird von seinen Freunden ja auch als ganz normal wirkende Person, die nicht gemobbt wurde, beschrieben.

Es ist doch irgendwie offensichtlich, dass solche Formen der Gewalt ihren Ursprung ganz klar in den sogenannten Industriestaaten haben, besonders in den USA (die ja lange Zeit immer ganz vorne an der Front der neuen Entwicklungen standen). Und es ist ja auch kein Geheimnis, dass die Globalisierungs- und Netzwerkgesellschaft mit der dazugehörigen Individualisierung, Instabilität, Schnelligkeit, Unübersichtlichkeit und dem ständigen Druck bei vielen Menschen zu einer Identitätskrise führt, die sich dann häufig in verstärktem Nationalismus, religiösem Fatalismus etc. äußert. Neulich noch alles durchgekaut :rolleyes: . Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Amokläufer einfach seine Identität in der heutigen Gesellschaft nicht mehr gefunden hat und sich deshalb seine eigenen Theorien zurechtgebastelt hat.
Man sieht ja auch an seinen Buchvorlieben, dass er mit der heutigen Gesellschaft wohl sehr unzufrieden war.

Nur leider kann man die Gesellschaftsentwicklung ja nicht holterdihopp stoppen... Mehr Aufmerksamkeit und weniger Egoismus von einzelnen Personen hätten die Tat vielleicht verhindern können, aber wenn diese erst mal in den Strudel der Zeit geraten sind, immer weniger Zeit und immer mehr Druck haben, bleiben Aufmerksamkeit und Rücksicht eben oft auf der Strecke :( ...
Zuletzt geändert von Svea am 8. Nov 2007 20:21, insgesamt 1-mal geändert.
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